Ingolstadt: Die Schlacht beginnt
Es gibt tatsächlich nur eine Leiche, die weggeschafft werden muss in Marco Stormans «Hamlet»-Inszenierung in Ingolstadt: Polonius hievt eigenhändig sein Versteck, eine spanische Wand, vom Bühnenrand in die Mitte und fällt dann, getroffen von einem Pistolenschuss, stilecht um. Da liegt er nun im Weg und wird mühsam ins Abseits gezerrt. Die anderen zahlreichen Morde finden hier – zumindest in der und für die Öffentlichkeit – nicht statt.
Das hat nichts mit Diskretion oder Entschärfung zu tun.
Storman interessieren die oberflächlichen Opfer einfach nicht, er will etwas Tieferes erforschen und erzählen: Wie lässt es sich für vorsätzliche oder zufällige Täter, betrogene oder betrügende Hinterbliebene leben in einer Welt, in der Gesetze und Moral ausgehebelt werden, wie es gerade beliebt? «Wer ist schuld?», wird eine Schrift an der Wand bald fragen, und eine andere als quasi vorrevolutionäre Antwort zaghaft: «Was können wir tun?»
Hamlet, wie Béla Milan Uhrlau ihn spielt, der Prinz und Mörder in Unterhosen, das einsame Kind und der verzweifelte Melancholiker, hat also gar nicht recht begriffen, was er da angestellt hat. Nicht nur der Staat, die ganze Welt ist faul, und der Jüngling ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute März 2015
Rubrik: Chronik, Seite 55
von Bernd Noack
Vielinszenierer im besten Alter packt ab und an die Sehnsucht, mal alles ganz anders zu machen. So hat Stephan Kimmig seit einiger Zeit den Tanz als Ausdrucksform für seine Schauspielinszenierungen entdeckt, und umgekehrt rückte nun der notorische Körperspieler und Slapstick-Liebhaber Andreas Kriegenburg die gebundene Sprache ins Zentrum seiner neuesten Arbeit an...
Bislang ist die Kulturtechnik des Surfens auf dem Theater definitiv zu wenig gewürdigt worden. Vor viertausend Jahren erfunden von Polynesiern, um 1769 auf Hawaii dokumentiert vom Frühkolonialisten James Cook und seit Anfang des 20. Jahrhunderts auch in Kalifornien und an der französischen Atlantikküste praktiziert, entstand in den 1960er Jahren an der...
Im Gegensatz zu vielen eher orientierungslosen Zeitgenossen hat sich der Bitterfelder Bürger Hermann Odetski auch Jahre nach dem Mauerfall beneidenswert klare Ideale bewahrt. «Sehr geehrte Frau Honecker», wendet er sich per Brief an die ehemalige Volksbildungsministerin und Witwe des Staats- und Parteichefs der DDR: «Der allgemeine Zustand unserer heutigen Jugend...
