Der Künstler als Allesfresser

Brechts «Baal» in der Regie von Stefan Pucher am Deutschen Theater Berlin und von Frank Castorf am Münchner Residenztheater

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Bislang ist die Kulturtechnik des Surfens auf dem Theater definitiv zu wenig gewürdigt worden. Vor viertausend Jahren erfunden von Polynesiern, um 1769 auf Hawaii dokumentiert vom Frühkolonialisten James Cook und seit Anfang des 20. Jahrhunderts auch in Kalifornien und an der französischen Atlantikküste praktiziert, entstand in den 1960er Jahren an der US-Pazifikküste eine subkulturelle Szene, ja Weltanschauung rund um den Wassersport, dem die Beach Boys den Soundtrack lieferten.

Ein Prototyp des braungebrannten, blondgebleichten, spaßversessenen Wellenhippies ist der kalifornische Profisurfer Private Lance, dem zu Ehren Colonel Kilgore in Francis Ford Coppolas «Apocalypse Now» ein vietnamesisches Stranddorf bombardieren lässt. Leider stören die Dämpfe des eingesetzten Napalms die Windverhältnisse so, dass aus dem geplanten Ride nichts wird.

Am Münchner Residenztheater schnap­pen sich Baal (Aurel Manthei), Freund Ekart (Franz Pätzold) und «Höllengemahlin» Isabelle (Bibiana Beglau) die Longboards und joggen damit in eine dunkle Bühnenecke, nur um sogleich auf einem der beiden großen Screens wie­der aufzutauchen, die in Aleksandar Denics atmosphärisch dicht gestapeltem Bühnen-Vietnam ...

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Theater heute März 2015
Rubrik: Aufführungen, Seite 6
von Eva Behrendt

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