In der Schicksalszentrifuge
Ein Stoffhund, der zu Beginn hinter einem Rollator her auf die Bühne geschleift wird und dort als kurioses Gesprächsthema zweier tüddeliger alter Damen herumliegt – kann der einem ans Herz gehen? Aber ja: Während der zweieinhalb Stunden, auf die Mario Salazars Episodenstück am Theater Baden-Baden komprimiert ist, plaudern Catharina Kottmeier als Waltraut und Nadine Kettler als Irmgard wie in einem Loriot-Sketch immer wieder darüber, dass «der Willi» – offenkundig Waltrauts Hund – «morgen 112 Jahre alt wird».
Genauso regelmäßig «gesteht» Irmgard, dass sie während Waltrauts gesamter Ehe ein Verhältnis mit deren Mann Rainer hatte. Dass dieser Rainer längst tot ist, hindert ihn wiederum nicht daran, selbst auf der Bildfläche zu erscheinen, Waltraut Avancen zu machen und dann doch mit Irmgard abzuziehen.
Und da kommt er dann, der Moment, als Catharina Kottmeier allein auf der Bühne zurückbleibt, ebenfalls aufbrechen will, durch einen Zug am Rollator den Hund erstmals zum Stehen bringt – und, als er (natürlich) wieder umfällt, sich ihm zuwendet und mit einem Gesichtsausdruck des Begreifens und der Trauer jäh Waltrauts Verluste beglaubigt, die in den bissigen Altweiberdialogen in ...
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Theater heute Juli 2015
Rubrik: Chronik, Seite 51
von Andreas Jüttner
Aalen, Theater der Stadt
2. Schiller, Der Parasit
R. Robert Teufel (Freilichttheater)
18. nach Saint-Exupéry, Der kleine Prinz
R. Ann-Kristin Ebert
23. nach Teller, Nichts
R. Julius Ferstl
Berlin, Komödie
19. Heinersdorff, Der Kurschattenmann
R. Horst Johanning
Bremen, Shakespeare Company
19. Mak/Goos, Fully Female
R. Sabina J. Mak/Annika Goos
Coburg, Landestheater
4....
Bevor es ernst wird – und ich Ihnen einige unordentliche Gedanken vortrage –, beginnen wir scheinbar heiter. Sie kennen das Aperçu von Oscar Wilde: «Alle Frauen werden wie ihre Mütter, das ist ihre Tragödie. Kein Mann wird wie seine Mutter, das ist seine Tragödie.»
Es gibt kaum eine intimere Situation, mir fällt nur noch eine andere Zweisamkeit ein, als die...
Die Psychiatrie als Spiegel der Gesellschaft, das ist das aufklärerisch kämpferische Grundmotiv in «März» von Heinar Kipphardt. Kipphardt weiß, wovon er schreibt Anfang der 50er Jahre hat er selbst als Psychiater an der Charité gearbeitet. Angelehnt an die reale Geschichte des Psychiatriepatienten Ernst Herbeck drehte er 1975 den preisgekrönten Fernsehfilm «Leben...
