Immer schön gebrüllt

Gespräche mit Mutter: Der Künstler, Bühnenbildner und Performer Jonathan Meese zeigt sein totales Gesamtwerk «Mama Johnny» in den Hamburger Deichtorhallen

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So sehen pubertäre Träume aus: Die eigene Mutter vor einer großen Men­schenmenge bloßstellen mit bohrenden Fragen nach ihrer Kindheit im National­sozialismus; auf ein monströses Eisernes Kreuz steigen und mit gestrecktem Arm «Heil Hitler!» ins Volk brüllen; und schließlich mit der Macht des Mi­krofons ausgestattet raunende Welt- und Selbsterklärungen an staunende Zuschauer diktieren – «Roaaaahrrr!», der zornige Junge im freundlichen Mann hat gebrüllt.


Jonathan Meese, ein überaus wohl­erzogener Langhaariger, der bei Ausstellungseröffnungen auch alten Ehepaaren in aller Herzlichkeit die Kata-­loge mit großen Peniszeichnungen signiert, hat mal wieder eine Performance gemacht. Die letzte war in der Turbinenhalle der Tate Modern in London, wo Meese sich wie der englische Pop­exzentriker Ron «Wizzard» Wood geschminkt hatte und aus einem Boxring, der umstellt war mit Skeletten und seinen phallischen Skulpturen, echt teutonische Widerständigkeit gegen rationales Denken präsentierte. Sein Zerrbild des preußischen Vernunftmenschen versendete er an die irritierten Briten in einer Art Morsealphabet germanischer Irrwege: von Adolf und deutscher Wald über Heidegger und Ritterkreuz zu Wagner und ...

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Theater heute Juli 2006
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Till Briegleb

Vergriffen
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