Im Zwischenraum
In seiner Autobiografie schreibt der britisch-jüdische Neurologe Oliver Sacks, er habe es sein Lebtag schwer gehabt mit den drei B’s: Bonding, Belonging and Believing, also mit Bindung, Zugehörigkeit und Zuversicht.
Diese seelische Grundausstattung, die erfolgreiche Einpassung ins emotionale und soziale Gefüge nicht verhindern muss, würde ihn prädestinieren, Mitglied der holländisch-jüdischen Familien von Lea und Nico zu sein, die Judith Herzberg Hochzeit feiern lässt in ihrem Stück, dem ersten, 1982 uraufgeführten der Trilogie mit «Heftgarn» und, 2002 abschließend, mit «Simon».
Wie soll es auch bestellt sein um diese Trias, wenn Erbe und Erinnerung lasten? Die Eltern-Generation – es sind die 1970er Jahre – hat der Holocaust zutiefst geprägt. Eine Gnade der späten Geburt für die Nachkommen gibt es nicht. Lea wurde als Vierjährige zur Pflegemutter Riet gegeben, bevor die Nazis die Eltern deportierten. Nicos Mutter und Bruder kamen in den Lagern um.
Aber ist heute nicht ein fröhlicher Tag? Das ganze Programm, detailgenau nachgestellt: Minis, Feincord, Schlaghosen, Koteletten und toupiertes Haar. Eine Leinwand wird hochgezogen, um die Hochzeiter auf Super-8 bei ihrer Ankunft im ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Juli 2015
Rubrik: Chronik, Seite 53
von Andreas Wilink
Zugelassen zum Wettbewerb für den Autorenpreis waren sechs noch nicht uraufgeführte Texte. Dass die Jury am Ende feststellen konnte, die Qualität sei dieses Jahr außergewöhnlich hoch gewesen, hatte sicherlich damit zu tun, dass es auf dem Markt der neuen Stücke starke und schwache Jahrgänge gibt. Die Gründe für die lobende Erwähnung sind aber vielfältig. Zum einen...
Kinder, heißt es ja gerne, sind das beste Publikum. Mein Sohn, der bald seinen fünften Geburtstag feiert, hat ihn noch, diesen unmittelbaren Ausdruck bar jeder bildungsbürgerlichen Publikumskonvention: Wenn ihn das Bühnengeschehen interessiert, folgt er ihm aufmerksam, stellt viele Fragen und ruft Kommentare in den Raum. Wenn es ihn langweilt, schaut er sich sehr...
Bevor es ernst wird – und ich Ihnen einige unordentliche Gedanken vortrage –, beginnen wir scheinbar heiter. Sie kennen das Aperçu von Oscar Wilde: «Alle Frauen werden wie ihre Mütter, das ist ihre Tragödie. Kein Mann wird wie seine Mutter, das ist seine Tragödie.»
Es gibt kaum eine intimere Situation, mir fällt nur noch eine andere Zweisamkeit ein, als die...
