Im Café today
Wer zur Zeit und bis ins «Kulturhauptstadt»-Jahr 2010 hinein auf der A 40 von und nach Bochum fährt, gerät ins Stocken. Eine beidseitig kilometerlange Baustelle macht die verengte Spur zur Slalomstrecke, hier ein blockierter Abzweig, dort eine unplanmäßige Ausbuchtung, mal eine Sperrlinie, eine Hemmschwelle, eine wie aus dem Nichts auftauchende Kurve. Vielleicht ist der Intendant des Bochumer Schauspielhauses dieses Stück Autobahn einfach zu oft gefahren.
Denn irgendeine Erklärung muss es geben, weshalb das Theater des Elmar Goerden sich in einem derartigen Zustand befindet und in solche Konfusionen manövriert, wie der Saisonauftakt mit dem «Kaufmann von Venedig» – wieder – zeigte.
Es beginnt damit, dass die Zuschauer mit Verdis «Traviata» empfangen werden, eine Sängerin (Franziska Dannheim) das «Addio del passato» der Violetta singt und im Verlauf der zwei Stunden immer mal wieder ein musikalisches Stelldichein gibt, als würde Pirandello statt Shakespeare gegeben. Die Arien lassen keinerlei Bezug erkennen. Diese Linienuntreue setzt sich fort. Eine aufgekratzte Party-Meute, auch sie gerne Lieder anstimmend, hat es sich in einer Gelateria bequem gemacht, deren silbrige ...
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Schmidt Die Frage ist ja, ob das Zusammengekrachte sich aufkehren...
Die derzeitige Krise des Kapitalismus wird – fürchte ich – keine kathartische Wirkung haben, keine Besinnung auf neue Werte oder politische Utopien nach sich ziehen. Da können Theologen prophezeien, dass die Tage der egomanen Geldgier gezählt sind, Feuilletonisten zur Kontrolle der Weltwirtschaftsregeln aufrufen, die Theater Stücke auf den Spielplan rufen, die...
