Im Blumengarten

Spitzeltragödien, verbale Dreckschleudern und neue Menschen: Uraufführungen von Nino Haratischwili, Theresia Walser und Rebekka Kricheldorf (der Stückabdruck liegt diesem Heft bei) in Berlin, Mannheim und Göttingen

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Er denke noch daran, wie schön sie es doch hatten, trotz allem, sagt der alte Mann, bevor er die Schlinge festzieht und springt. Das gute Leben für ihn, seine Frau und den Sohn hat er am Ende freiwillig mit dem eigenen Leben bezahlt. Man wollte nicht in einer Plattenbaubruchbude am Stadtrand wohnen, man wollte Auslandsreisen machen, der Sohn sollte studieren können, die Frau Konzerte geben. Was zählen da schon die kleinen Informationsdienste, die die Partei verlangt, die die Regierung ist, die der Staat ist.

Am Ende, nach dem Fall der Sowjetunion, waren der Mann und seine Frau Natalia korrumpiert bis auf die Knochen, aus dem Sohn wurde ein brutaler Kleinkrimineller und als Ausweg bot sich dem Karrierespitzel nur der Strick. Alles für das bisschen gutes Leben.

So viel erfährt der Zuschauer aber erst ganz zum Schluss. Nino Haratischwilis «Land der ers­ten Dinge/Bludicky» ist ein gutes altes analytisches Drama wie bei Ibsen selig, in dem sich die blutigen biografischen Abgründe Dialogschicht um Dialogschicht entblättern wie ein schrumpeliger Salatkopf. Die überlebende Natalia findet sich als alte Frau in Deutschland wieder, wo sie die wohlsituierte Rentnerin Lara pflegt, deren Leben ...

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Theater heute Januar 2015
Rubrik: Neue Stücke, Seite 30
von Franz Wille

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