Harlekinade?
Es ist ein triumphaler Auftritt. Als Günther Heeg, Gerda Baumbach und Patrick Primavesi, alle drei Professoren für Theaterwissenschaft an der Universität Leipzig, die Bühne des Schauspielhauses betreten, begrüßt das vollbesetzte Haus die drei wie Popstars. Versammelt haben sich neben zahlreichen Studierenden auch die kulturelle Elite der Stadt. Auch zahlreiche Politiker waren gekommen, um den Überlebenskampf des Instituts für Theaterwissenschaft zu unterstützen. Denn um nichts weniger geht es derzeit an der Leipziger Uni.
Das Rektorat hat Ende Januar den planmäßigen Abbau von 24 Stellen an der Universität verkündet und bei der Theaterwissenschaft sollen bis 2020 drei der vier Professuren sowie zwei weitere Mitarbeiterstellen gestrichen werden. Lediglich der Lehrstuhl Tanz von Patrick Primavesi bliebe erhalten. Begründet wird dies mit geheimen Evaluationen und Profilierungsbestrebungen, doch der Grund ist wohl wesentlich banaler: Die genannten Stelleninhaber gehen demnächst alle in den Ruhestand, und so kann man sie einfach geräuschlos auslaufen lassen. Gestrichen werden sollen zudem die Klassische Archäologie und die Physikalische Chemie sowie zwölf Azubi-Stellen.
Im ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute März 2014
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Torben Ibs
Hätte Suhrkamp in den vergangenen 30 Jahren mehr Titel wie Isabel Allendes Debütroman «Das Geisterhaus» (1982) verlegt, wäre der Verlag heute wahrscheinlich nicht in der Krise. Der autobiografisch unterfütterte Familienroman war ein Weltbestseller. Erzählt wird die Geschichte Chiles von den 1920er Jahren bis zum Militärputsch 1973 durch General Pinochet; mit dem...
Am Ende sind die Experten auch nicht schlauer: «Ganz allgemein – es bleibt einfach schwierig», meint einer der drei Herren im Rollkragenpulli, der sich hocheloquent, aber meinungsarm an seiner Tafel abmüht und das Problem mit Schrödingers Katze vergleicht. Ob die gerade schon tot sei, wisse man als Beobachter auch nie. Die andere Fachkraft stottert ein bisschen um...
Ein Mann wird verlassen, ein Kapitel geschlossen. Mobiliar, Wände, Boden sind weiß abgedeckt, ein früheres Leben verschwindet unter Laken wie eine Leiche. Zeit, sich neu zu erfinden. Gesichter flammen auf, die Laken sind jetzt Leinwände neuer Lebensgeschichten, «Entwürfe zu einem Ich», die Max Frisch 1964 variantenreich ausbreitet, um letztlich doch von der...
