Hamburg: Apfel und Stamm

Elfriede Jelinek «Winterreise»

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Hinter dem Vorhang wird Schubert gespielt. Einzelne beherzte Klavierakkorde, ein wenig schief, eine Dekonstruktion des Wanderermotivs. Denkt man. Bis man sieht: Das Klavier steht auf Zweimeterbeinen, und fünf Schauspielerinnen mühen sich zehnhändig, irgendwie Töne auf dem Monstrum zu erzeugen. Die vermutete Dekonstruktion ist in Wahrheit die körperliche Begrenzung der Normalgroßen, die nur erahnen, wo ihre Finger gerade klimpern.

Ein schönes Einstiegsbild in Elfriede Jelineks «Winterreise» ist Anne Lenk da am Hamburger Thalia in der Gaußstraße gelungen, ein Einstiegsbild, das den Stoff konsequent ironisiert, bis es sich selbst unter einer ironischen Folie versteckt. Nur dass es für lange Zeit das einzige Bild bleibt, das überhaupt als solches erkennbar ist.

Die «Winterreise» ist eine für Jelineks jüngere Arbeiten typische vielstimmige Suada, die sich lose an Wilhelm Müllers gleichnamigen Gedichtzyklus anlehnt – eine Lebensreise durch eine winterlich kalte Existenz. Regisseurin Lenk, die am gleichen Ort zuletzt Martin Crimps «In der Republik des Glücks» inszenierte, hat den mäandernden Text für eine knapp zweistündige Aufführung stark gekürzt, um viele tagesaktuelle Bezüge, auch um ...

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Theater heute März 2015
Rubrik: Chronik, Seite 55
von Falk Schreiber

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