Goldketten-Gernegroß

Köln Schauspiel: Hebbel «Judith»

Theater heute - Logo

Der trüb angelaufene Betonquader von Bühnenbildner Jörg Kiefel ist schon grandios: Er könnte in irgendeiner arabischen Diktatur stehen, mitten in der Wüste oder auch im Stadtbild von Köln. Von oben hat man freie Sicht, unten entsteht so ein finsterer Zivilisations-Unort. Tonnen von Sand im Depot 1 im Carlswerk drumherum stauben schön, wenn die Bürger Bethuliens aufgeregt hin und her laufen, weil Holofernes sie auslöschen will.

Oben schreitet Holofernes durch sein Feldlager zwischen cholerischem Macho und außer Kontrolle geratenem Kleinkind, mühsam bei Laune gehalten von seinem Priester (Mohamed Achour) und Hauptmann (Jonas Gruber).

Robert Dölle spielt Holofernes mit dröhnender Stimme nahe an der Männlichkeits–karikatur und suhlt sich in seinen rampennahen Qualitäten: Lederhose unter nackter Brust, an der Goldketten als Gangsta-Bling klimpern. Den Motorradhelm, den die Requisite wohl praktischerweise erfunden hat, um später seine Köpfung plausibel zu machen, hält er sich verspielt vor das Gemächt, ansonsten spritzt er gerne mit blut­rotem Wein herum oder hüpft in kindlichen Primatentänzen, wenn er nicht gerade einen Untergebenen zur Strecke bringt. Ein für das Publikum unsichtbarer ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Februar 2014
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Dorothea Marcus

Weitere Beiträge
Dampflok in die Groteske

Eben noch europäische Kulturhauptstadt, steht die Stimmung ein Jahr später auf Unbehagen und Unsicherheit in Maribor. Das Kompliment von der slawischen Schweiz wird heute in Slowenien eher ungläubig erinnert. Dabei ist, ganz anders als beim Nachbarn Ungarn, immer noch derselbe Mann aus den besseren Zeiten an der Spitze. Janez Jansa, scheinbar ewiger...

Retro ist depro

Natürlich ist es eine gute Idee, die klügsten Leute von Zürich ans Theater zu binden und sie mit einer guten Flasche Wein auf die Bühne zu setzen und reden zu lassen. Den Psychoanalytiker Peter Schneider etwa, als radikaler Kolumnist im Radio und in allerlei Schweizer Zeitungen zuhause und ein gewitzter Causeur sondergleichen. Dieser Peter Schneider sitzt jetzt...

Todsünde Startbahn

Letztes Jahr war Kathrin Röggla Stadtschreiberin in Mainz, und da ist ein Thema wie Fluglärm genau richtig platziert. In manchen Stadtteilen der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt donnern Flugzeuge des benachbarten Fraport so anschmiegsam über die Eigenheime, dass man von einer Lärmenteignung sprechen könnte. Dagegen steht: Viele derer, die in den Ab- und...