Göttingen/Heidelberg: Atlantas Algorithmen
Im Heidelberger Theater ist die Zukunft noch nicht auf der Bühne angekommen, im Deutschen Theater Göttingen schon. Dort rollen alte Männer auf elektrischen Rollstühlen über die Bühne und werden von einer Pflegekraft versorgt, die auf einem selbstbalancierenden Elektroroller jongliert. Am Heidelberger Theater dagegen hat man erst gar nicht den Versuch unternommen, Rittbergers Doku-Parabel zum Thema Fremdenfeindlichkeit technologisch aufzurüsten. Schließlich geht es «nur» um alte Herren, die anscheinend Burschenschaften angehörten und irgendwann wie auf Kommando dement wurden.
Jetzt mümmeln sie in einem Pflegeheim und äußern sich auch weiterhin nicht unbedingt xenophil. Man könnte meinen, AfD- und Pegidahetzer wie Frauke Petry und Lutz Bachmann säßen 2040 zusammen und träumten von alten Zeiten. Viel Spaß hat die Runde, wenn erzählt wird, ein verwaister, dreijähriger syrischer Junge sei in einer kalten, klaren Februarnacht just vor dem Bundesinnenministerium erfroren.
Kevin Rittberger hat rechtsnational gefärbte Äußerungen zusammengetragen und vier Demenzburschen in den Mund gelegt. Sie heißen Elsass, Nagel, Lunov, Etsch und wandeln durch einen Theatertext, dessen Grundierung wohl das ...
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Theater heute November 2016
Rubrik: Chronik, Seite 53
von Jürgen Berger
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