Foto: Rolf Arnold
Wendebetrachtung für Fortgeschrittene
Besonders alt wurde die DDR ja – aus guten Gründen – nicht. Und ihre vier Jahrzehnte überbordend spektakulär zu finden, wäre ein ziemlicher Euphemismus. In der Saison 89/90 allerdings – beim Endspiel – hat sich die kleine Diktatur tatsächlich noch mal ordentlich ins Zeug gelegt.
Todesmutige Montagsdemonstrationen, der Mauerfall, Helmut Kohls vorweihnachtliche Grußadresse an die ostdeutschen Brüder und Schwestern in bester Ballermann-Stimmung vor der Ruine der Dresdner Frauenkirche und schließlich die Wiedervereinigung: Verglichen mit der 39-jährigen Rest-Geschichte des Landes, herrschte in den letzten zwölf DDR-Monaten wirklich Hochbetrieb. Entsprechend episch lässt der gebürtige Dresdner Autor und hauptberufliche New-York-Kulturkorrespondent der «Süddeutschen Zeitung» Peter Richter dieses Finale Revue passieren in seinem 412-Seiter «89/90», der letztes Jahr auf der Longlist des Deutschen Buchpreises stand.
Cool wirken in Ost und West
Wie Ingo Schulzes großer Brief-Wenderoman «Neue Leben» und Uwe Tellkamps vielgepriesene Oberloschwitziade «Der Turm» stößt sich auch «89/90» vom großbürgerlichen Dresdner Villenmilieu beidufrig der Elbbrücke «Blaues Wunder» ab. Während Schulze ...
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Theater heute November 2016
Rubrik: Aufführungen, Seite 14
von Christine Wahl
Die Bilder, die der Fotograf Joel Goodman in der letzten Silvesternacht in Manchester aufgenommen hat, zeigen zwei Seiten desselben Ereignisses, sehr oft in ein und demselben Foto. Auf der einen herrscht Krieg, Chaos, Endzeitstimmung. Polizisten und Sanitäter versuchen, schreiende, prügelnde und kotzende Gestalten aus dem Verkehr zu ziehen, mitten auf der Straße...
Seit anderthalb Jahren tobt er nun schon, der Kulturkrieg in Berlin: Seit Tim Renner, denkbar ungeschickt kommunizierend, im April 2015 den Tate-Direktor Chris Dercon zum Nachfolger Frank Castorfs designierte, teilt sich Berlins Theaterszene in unversöhnliche Pro- oder Contra-Fraktionen. Dass Frank Castorf nach einem Vierteljahrhundert den Hut nehmen soll, um nur...
Hannes ist ein ungewöhnlich belesener Bademeister mit interessanten Vorlieben. Einerseits finden sich in seiner Umkleide die aktuellen Klassiker der Kritik am Neoliberalismus wie Saskia Sassen, Richard Sennett oder Slavoj Zizek, andererseits gehört auch Hans von Dach zum Lektüreprogramm, der 1957 in der Schweiz mit seiner Schrift «Der totale Widerstand,...
