Gewölbtes Parkett
Edward Albees «Virginia-Woolf»-Klassiker am Schauspiel Frankfurt erreicht auf der nach oben wahrscheinlich nicht ganz offenen Ehekriegsskala einen neuen Pegelstand: Sie ist von einer eigenartigen, enervierenden Intensität. Sie ist wie ein schreiendes Kind, das stundenlang nicht aufhören will. Während der fast vier Stunden geschieht nichts Überraschendes. Es werden einem die sattsam bekannten Albeepsychodramasätze um die Ohren gehauen, es ist jene gleichbleibende, stabile Boshaftigkeit, die das geneigte Publikum seit über 60 Jahren bestens unterhält.
Stephan Kimmig, der Regisseur des Frankfurter Abends, macht es sich, den Spielern und uns anderen aber auch alles andere als leicht. Die Schauspieler stehen durchweg: kein Sofa, nirgends. Die Bühne von Katja Haß, eine Mischung aus mondänem 60er-Jahre-Livingroom und abgeschlossener Hölle (hinter den großen Fenstern lauert die schwarz-finstre Bretterwand), scheint wie erfunden, um die Schauspieler maximal auszusetzen. Ein Steg ins Publikum, ein Abgang nach hinten und zwei Wohnzimmerarme nach links und rechts bilden zusammen ein Bühnenkreuz. An die Mitte dieses Kreuzes sind die bemitleidenswerten Schauspieler regelrecht genagelt. Neben ...
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Theater heute Januar 2016
Rubrik: Chronik, Seite 55
von Peter Michalzik
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