Hörspielpreis
Was für eine Vorstellung: «In Deutschland gibt es nur noch drei Theater: in München, Hamburg und Berlin. Und die machen dauernd Koproduktionen.» Geld verdienen höchstens noch die Intendanten – Schauspieler «dürfen» dort allenfalls arbeiten. So lautet die Zukunftsvision einer Schauspielerin, geschöpft aus einer desillusionierenden Gegenwart.
Einer Gegenwart, in der Schauspielerinnen trotz Magenblutung Premieren spielen, zwischen Szenenstudium und Workshops ein Kind verlieren und zur Ausschabung des Embryos müssen, ihr Zimmer untervermieten oder Regie-Angebote mit der Gage «Null Euro» bekommen (aber mit freier Stückwahl!).
Mit unsentimentaler Offenheit erzählen Martina Hesse, Franziska Kleinert, Katrin Steinke und Ernestine Tzavaras sowie ihr Kollege Andreas Schröder von den höchst prekären Lebensverhältnissen in ihrer überbesetzten und unterbezahlten Branche – und vermitteln dennoch den unbezähmbaren Drang zu diesem Beruf. Das macht das semi-dokumentarische Hörspiel «Das Projekt bin ich!» gewissermaßen zum Pflichtstoff an Schauspielschulen, aber auch für Kulturpolitiker, Intendanten und Kritiker. Schon allein dafür hätte das Hörspieldebüt der jungen Theaterregisseurin Ulrike ...
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Theater heute Januar 2016
Rubrik: Magazin, Seite 67
von Andreas Jüttner
Die Feier des 80. Geburtstags des früheren Kammerspielintendanten Dieter Dorn rief die Erinnerung an einen heftigen Konflikt zwischen Theaterintendant und Kulturpolitik wach, in dem ich nolens volens eine Rolle spielte. Erneut wurde eine Legende erzählt, die auch durch ständige Wiederholung nicht wahrer wird. Da die damaligen Vorgänge durchaus exemplarisch sind,...
Alvis Hermanis hat seine für April geplante Inszenierung am Hamburger Thalia Theater aus privaten und politischen Gründen Anfang Dezember abgesagt. In einer Stellungnahme auf der Webseite des Rigaer Neuen Theaters (www.jrt.lv) heißt es, er arbeite gerade in Paris und lebe in genau dem Viertel, wo das Massaker geschehen sei: «Wir sind überall von Angst und Schrecken...
«It’s a man’s world», röhrt Michael Wittenborn, der Moderator der Briest-Radio-Show, ins Mikro. Ja, it’s a man’s world, in der Fontanes Effi Briest vor rund 120 Jahren in einer arrangierten Ehe mit dem Langweiler von Instetten auf dem Land verödet und mit dem Filou Major Crampas zur Seite springt, der, als die flüchtige Affäre Jahre später auffliegt, vom entehrten...
