Geschlossene Gesellschaft
Im zwölften Jahrhundert wurde die traurige Geschichte von Tristan und Isolde von Dichtern in Frankreich, England und Deutschland erzählt. Mit ihren Motiven wurden Pokale und Bücher bemalt, Holzkästchen und Elfenbeintafeln beschnitzt. Es war ein höfisches Märchen, das die ehebrecherischen Eskapaden mit interessierter Distanz betrachtete. Die Romantik entdeckte das Mittelalter neu und nahm die alten Geschichten furchtbar ernst. Das bürgerliche Individuum las aus dem ungeeigneten Objekt die Tragödie seiner Einschränkung heraus.
Richard Wagners Oper bedeutete die totale Entgrenzung: Ein Paar geht lieber in den Tod, als die Unmöglichkeit seiner Liebe in dieser Welt zu akzeptieren. Und ebenso radikal brach die Musik mit allem, was für Melodie, Rhythmus, Struktur und Harmonie europäischer Musik im Lehrbuch stand. Diese Klänge öffneten eine neue Welt unerhörten Farbenreichtums, unendlicher Melodie und narkotischen Rauschs. Als «Tristan und Isolde» 1865 dank des wie ein Deus ex machina erschienenen jungen Königs Ludwig endlich in München uraufgeführt wurde, befürchtete der Komponist, bei einer guten Aufführung könnten die Menschen verrückt werden. Was zuerst da war, der musikalische Exzess ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Oktober 2015
Rubrik: Magazin, Seite 78
von Bernd Feuchtner
Personen
Mani (Mann, etwa 35 Jahre alt)
Casparus Van Houten (alter Mann)
Andrej (Mann, etwa 25 Jahre alt)
Peter (Mann in den 30ern)
Angestellte beim Getränkemarkt (Frau in den 50ern)
Silvana (Frau in den 60ern, Andrejs Mutter)
Ivan (13-jähriger Junge, Andrejs kleiner Bruder)
Jobcenterfrau (Ältere Frau)
Jobcentermann (Älterer Mann)
Bewerbung (1 Blatt Papier)
Die...
Kennengelernt habe ich Martin Berg im Sommer 2001. Ein paar Wochen davor war ich aus Südamerika zurückgekommen, wo mir – dem eigentlich noch in Gießen studierenden Schweizer – das Goethe-Institut Córdoba ermöglicht hatte, mit argentinischen Pförtnern ein Stück zu inszenieren. Oder besser: deren Blick auf die sich gerade transformierende argentinische Gesellschaft....
Vielleicht wird ja eine neue griechische Regierung der Zukunft Yorgos Loukos zum Kulturminister machen. Wie er das Epidauros-Festival durch Krise und Angst steuert, ist erstaunlich. Wie schon in den vergangenen Jahren dominieren im Programm die griechischen Produktionen. Es gab einige künstlerische Höhepunkte eines jungen griechischen Theaters zu sehen. Auf dem...
