Für eine Handvoll Euro
Irgendwann in der vergangenen Spielzeit widmete sich René Pollesch dem letzten Tabu des deutschen Theaters. Es ging wieder mal um käufliche Gefühle und darum, dass Theater auch nur eine Ware ist. Denkbar brutal und mit größtmöglicher Selbstverständlichkeit gab der Regisseur dem Publikum im Berliner Prater zu verstehen, dass es bei der Inszenierung «Tod eines Praktikanten» einem gekauften, also keinem unschuldigen Spiel beiwohnte.
Auf Bühnenbildelementen und Kostümteilen war zu lesen, was sie das Theater gekostet hatten, genau wie auf den Schauspielerinnen, deren weiße Brautkleider Schilder mit der Höhe ihrer Abendgage schmückten: «207,50 Euro netto». Zunächst ist das nicht viel mehr als eine Variante des alten illusionszerstörenden Tricks, mit der Theateraufführung auch die Mittel ihrer Herstellung zu zeigen – schließlich sind Schauspieler ökonomisch betrachtet einfach Arbeitnehmer in der Dienstleistungsbranche. Und solche Dienstleister haben ihren vom Marktwert abhängigen Preis. Pollesch hat mit seiner kleinen Indiskretion also kein Geheimnis ausgeplaudert, sondern nur eine Banalität illustriert. Allerdings sind die Preisschilder auch ein gezielter Regelverstoß: Es wurden nicht ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Die Russen sind endgültig im Westen angekommen. Moskau ist kapitalistischer, dynamischer und luxuriöser als jede deutsche Stadt. Auch die Provinz ändert sich, langsamer zwar, aber unaufhaltsam. Der vom Westen eingeklagte Mangel an Demokratie ist nicht das, was die meisten Russen bewegt. Längst ist auch der Normalbürger an das globale Geflecht der Waren- und...
Franz Wille Sie haben lange Zeit als Produzent im Freien Theater gearbeitet, Inszenierungen von der Finanzierung bis zur Premiere begleitet und ermöglicht. Seit dieser Spielzeit sind Sie Geschäftsführender Direktor des Maxim Gorki Theaters, eines der fünf großen Berliner Schauspielhäuser. Wenn man von den kleinen wendigen Schnellbooten auf einen mittelgroßen Tanker...
Dimiter Gotscheffs «Perser»-Inszenierung hat es niemand leicht gemacht: Fast wäre sie im Deutschen Theater gar nicht herausgekommen, und auch bei der Auswahl des Theatertreffens mochte sich die Jury nicht zu einer Nominierung durchringen. Unsere Kritikerumfrage hält dagegen und wählt das Drama des Untergangs einer Großmacht zur Inszenierung des Jahres!
Christine...
