Freie Fahrt ins Glück
Die Dramaturgie ist von klassischer Schönheit: Auf eine gemütliche Introduktion (Einführung der Protagonisten, Ensemblebildung, Problemexposition) folgen sukzessive Zuspitzung, erste Konflikte, Beschleunigung des Tempos bis zum Crescendo, Peripetie, schließlich Showdown und Resultat. Danach die Kritik.
Das Stück heißt: «Zehn Mal bemerkenswert!» Die Protagonisten, sieben an der Zahl, repräsentieren die geografische Verteilung der deutschsprachigen Bevölkerung, ansatzweise auch die geschlechtliche (wie bei allen bedeutenden Fragen im richtigen Leben und im Theater überwiegen die Männer). Sie fallen unter den Sammelbegriff «Theaterkritiker», als Ensemble nennen sie sich: «Theatertreffenjury». Das Problem: Sie sind verschieden und müssen unter einen Hut, der heißt «Theatertreffen» und ist die traditionsreiche Veranstaltung, die seit 42 Jahren jeden Mai in Berlin stattfindet. Auch die Aufgabenstellung ist klassisch, nämlich unlösbar, also tragisch: Aus dem Angebot von rund 160 Stadttheatern in Deutschland, Österreich und der Schweiz, möglichst unter Berücksichtigung sämtlicher freier Gruppen, das «Bemerkenswerteste» herauszufischen. Scheitern als Chance.
Kein Einheitsbühnenbild, ...
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Herz, mein Herz, was soll das geben? Was bedränget dich so sehr?», will man mit dem lyrischen Goethe emphatisch ausrufen, wenn einem im Bochumer Schauspielhaus Herzfrequenz-Töne entgegenwummern. Im Dunkeln kauert vor einer hochragenden, alles beherrschenden Wand Antigone. Der Clou der von Tina Lanik inszenierten Sophokles-Tragödie (Übersetzung Walter Jens) ist die...
Wenn er langsam sein Maul öffnet, wird klar, dass der Fisch, den der Sushi-Meister gerade ohne Verletzung der inneren Organe kunstvoll filetiert, noch lebt. Selbst in Japan ist diese Art der Zubereitung und der quasi kannibalistische Akt des Verzehrs, den Malte Jaspersen in seinem Radiofeature «Sushi. Vom Erlebnis, in Japan essen zu gehen» (SFB 2001) beschreibt,...
