Frauenzimmerchen!
Für jeden Hotelmanager wäre es eine echte Herausforderung: Quadratmetergroße Wasserflecken auf den kahlen Wänden, die halbe Decke mit durchlöcherter Plastikverschalung hängt absturzgefährdet windschief, der Fußboden sieht aus wie nach einem mittleren Raketenangriff. Die Bruchbude ist keinen halben Stern mehr wert und muss nach gerade überstandenem Krieg dringend aufgemöbelt werden.
Doch Udo Samels Wirt schwebt zur noch vorhandenen Tür herein mit öligem Charme, gesichtszerreißend zufriedenem Grinsen, und trötet auf den Vokalen, als ob die Welt in der komfortabelsten Ordnung wäre. Alles halb so schlimm, signalisiert der darstellernde Wonneproppen, schlimmstenfalls «ein Lustspiel». Mit was auch immer Andrea Breths Inszenierung zu tun hat, Wirklichkeit wird man es kaum nennen können.
Der siebenjährige Krieg, nach dessen Ende «Minna von Barnhelm» datumsgenau spielt, war eine blutige und für Preußen um ein Haar fatale Aggressionskampagne: 7 große Feldzüge, 17 ausgewachsene Schlachten, kleinere Kampfhandlungen sowie Belagerungen nicht mitgerechnet. Danach war die Bevölkerung um über 10 Prozent dezimiert, 180.000 Soldaten und 1500 Offiziere umgekommen, die männlichen Linien ganzer ...
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Wir Deutschen lieben die Buddenbrooks. Angeblich sei es unser tollster Roman, haben irgendwelche Demoskopen berechnet. Dabei geht es in diesem Buch doch neben der langatmigen Beschreibung von Backenbärten, Tapeten, Vatermördern, Salons, Überziehern, Händen und Büffets im Kern um das Versagen der materialistischen Denkungsart, also um das Scheitern unseres...
Für Literaten ist ein Engagement in Hollywood zumeist ein zweischneidiges Schwert. Viele Autoren können davon berichten, wie lukrativ das Schreiben für die Filmstudios ist, aber auch davon, wie folgenlos diese Arbeit meistens bleibt. Bret Easton Ellis prahlt in seinem neuen, autobiografisch angehauchten Roman «Lunar Park» damit, dass er lediglich ein paar...
Große Themen und lange Zeiträume werden derzeit verhandelt am Royal National Theatre. Dank Intendant Nicholas Hytner, der Mike Leigh, dem «Impresario der Improvisation», sowie den Polit-Theater-Eminenzen Howard Brenton und David Edgar nach zum Teil jahrzehntelanger Bühnenabstinenz neue Stücke entlockte. Und auch am Royal Court stammten die interessanteren Arbeiten...
