Haltestelle Dreiunglücksweg
Wir Deutschen lieben die Buddenbrooks. Angeblich sei es unser tollster Roman, haben irgendwelche Demoskopen berechnet. Dabei geht es in diesem Buch doch neben der langatmigen Beschreibung von Backenbärten, Tapeten, Vatermördern, Salons, Überziehern, Händen und Büffets im Kern um das Versagen der materialistischen Denkungsart, also um das Scheitern unseres kapitalistischen Systems.
Denn erzählt dieser Roman nicht sehr präzise, wie das Streben nach Wohlstand die Menschen so deformiert, dass sie aus emotionaler Unfähigkeit schließlich auch ökonomisch scheitern? Und das soll des Deutschen Lieblingsbuch sein, bei nur 0,9 Prozent Wachstum und dauerndem Gejammer?
Und dass man den Schinken von 1901 jetzt wieder hervorholt und fürs Theater adaptiert, gerade als der Mittelstand und die Familienunternehmen in schöner Eintracht zwischen Regierung, Wirtschaftsblättern und Globalisierungsgegnern zu den Lichtgestalten des Kapitalismus gegen die Hedge-Fonds-Heuschrecken erkoren wurden, ist auch nicht fair. Die letzte Hoffnung eines humanen Wirtschaftshandelns, die verantwortlich tätige Unternehmerpersönlichkeit, darf gerade jetzt nicht als aussichtsloses Modell demaskiert werden, wie Thomas Mann ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Ein Stück Zucker genügt, um den Kleinbürger aus der Fassung zu bringen. «Ihr habt wieder Würfelzucker gekauft?», schimpft der alte Bessemjonow (Martin Schwab), kaum dass er die Szene betreten hat. «Würfelzucker wiegt mehr und ist nicht süß genug. Also ist es Unsinn, ihn zu kaufen.» Dabei hat der gute Mann weiß Gott auch andere Sorgen. Sohn Pjotr (Dietmar König) ist...
Eigentlich ist die Mutter der Wildente einfach ein dummes Huhn. Gina hat sich vor 15 Jahren vom ehemaligen Arbeitgeber, dem reichen Werle, schwängern und weiterreichen lassen an den Sohn seines gescheiterten Kompagnons Ekdal, Hjalmar, ein Mann mit hochfliegendem Selbstbild und geringen Energien. Ihm hat sie das Kind Hedwig untergeschoben und führt ihm den...
Mit Festivals ist es wie mit guten Weinen. Bei beiden gibt es unterschiedliche Jahrgänge, selbst wenn sie schon lange vom selben Team betreut werden. Bereits zum sechsten Mal richteten die Kuratoren Tilmann Broszat und Gottfried Hattinger nun das biennale Münchner Theaterfestival Spielart aus, und auch wenn man sagen kann, dass 2005 wohl nicht als Spitzenjahr in...
