Formfleisch kritische Masse
Glücklich ist Schiller vor mehr als 200 Jahren in Mannheim nicht gewesen. «Mannheim ist schlechterdings keine Atmosphäre für mich», schrieb er an einen Freund, nachdem Nationaltheater-Intendant Dalberg dem 1782 aus Württemberg Vertriebenen die
Unterstützung verweigert hatte. Tempi passati. Heute hat man Schiller in Mannheim so lieb, dass er so etwas wie der Markenkern der 290.000-Einwohnerstadt zwischen Rhein und Neckar geworden ist.
Seit 1978 schon veranstaltet das Nationaltheater Mannheim die so genannten «Schillertage», zehn Tage im Juni, in denen sich Gastspiele aus dem In-und Ausland mit Eigenproduktionen mischen, Stipendiaten aus aller Welt über Theater nachdenken, junge Kulturstudenten eine Zeitung zum Festival machen und bei nächtlichen «Schill-outs» abhängen. In diesem Jahr hatte sich das Festival die Überschrift «Kritische Masse» gegeben, unter der sich jede Menge Sturm-und-Drang-Schiller locker subsumieren lässt. Das Motto wollte natürlich mit feinem Doppelsinn verstanden werden: voll politisch (und spieltheoretisch) als jener Kippmoment, in dem die Kritik (oder der Zorn) Einzelner sich zum kollektiven Aufstand weitet, und kunstintern als jene Agglomeration Einzelner, ...
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Theater heute August/September 2013
Rubrik: Magazin: Festival, Seite 67
von Barbara Burckhardt
Zwölf Tage Theater, Podiumsdiskussionen und Kolloquien, Konzerte im kalten hannoverschen Nieselregen und ein Catering-Zelt im Festivalzentrum, das mitten im Hochsommer Punsch im Angebot hatte. Das waren die Theaterformen, das kleine, feine, niedersächsische Theaterfestival, das im jährlichen Wechsel mal in Hannover, mal in Braunschweig stattfindet.
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