Festival

Generation Strichcode - Das «Fast Forward»-Festival in Braunschweig erzählt europäische Geschichten vom Ausbruch aus einer als ungerecht empfundenen Welt

Theater heute - Logo

Das Erste, was wir von diesem Festival sehen, ist ein Penis. Der gehört zu einem Darsteller hinter einer Papp-Wand, von dem nur der Schwanz in einer runden Aussparung zu erkennen ist. Ein Spot beleuchtet das Geschlecht, das sich zwischendurch aufrichtet und dann wieder erschlafft. An der Bühnenrampe steht zeitgleich ein junger Mann vor einem Mikrofon, mit dem Rücken zum Publikum. Sein Gesicht sehen wir nicht, wenn er die Geschichte eines jungen Spaniers erzählt, der in Madrid ein bürgerliches Leben mit seiner Freundin führt.

Der eigentlich alles hat, oft genug guten Sex, einen Job und Perspektive – und doch davon träumt, sich einmal von mehreren Personen «so richtig durchficken zu lassen».

Der Ausbruchstraum ist nur eine der Geschichten, mit denen Pablo Gisberts «Szenen für ein Gespräch nach dem Anschauen eines Films von Michael Haneke» die Verunsicherung der jungen Generation in Europa beschreiben will. Ausbruchsfantasien hinter der Fassade eines gut durchgeplanten Lebens sind das. Der junge Mann reist in der Erzählung hinter dem Rücken seiner Freundin heimlich nach Berlin. Und nimmt in den «intensivsten Stunden seines Lebens» an einer Orgie teil. Der echte Penis wippt im ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Januar 2016
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Alexander Kohlmann

Weitere Beiträge
Debatte

Der Nutzen der Kunst besteht in ihrer Nutzlosigkeit: Mit diesem Paradox wollte Adorno die Kunst vor ihrer Vereinnahmung retten – sei es durch die soge­nannte Kulturindustrie, sei es durch propagandis­tisch gestimmte 68er, die jene mit Kunst bekämpfen wollten. Heute, fast ein halbes Jahrhundert später, scheint seine Überzeugung so wenig verbreitet, wie sie es zur...

Immer lächeln

Wer als Kind mal ein Filmstudio besichtigt hat, erinnert sich an das große Staunen vor dem ersten Blue- oder Greenscreen: Der Wettermann, wahlweise King Kong, steht nicht etwa vor der Wetterkarte oder in New York, sondern schlicht vor einer monochromen Wand – der Rest ist Technik. Der Regisseur Amir Reza Koohestani holt diesen nicht ganz taufrischen Wow-Effekt nun...

Neues vom Welttheater

Was für ein Plot: Demente Großmut­ter freundet sich mit der ukrainischen Nachbarin an, die zum Islam konvertiert, einen arabischen Kochkurs absolviert und ihn kräftig mit ihrem Küchenradio untermalt. Daraufhin bekommt die Oma Ärger mit ihrer Tochter, die keine laute Musik mag und außerdem bald feststellen muss, dass auch noch ihr Sohn verschwunden ist. Schon steht...