Festival: Lächeln überm Abgrund
Ein Theater zur Demokratie ist ein Theater der Biografien in ihren politischen Kontexten», schrieb Chefdramaturg Ludwig Haugk dem Festival «Uniting Backgrounds» ins Programmheft – und wahrscheinlich bildet kein anderer Satz so passgenau auch die Programmatik des ganzen Theaterprojekts Maxim Gorki seit dem Beginn der Intendanz Shermin Langhoff/Jens Hillje ab.
Bereits in der Nachwendezeit warnten nachdenkliche Stimmen in Deutschland, das Scheitern des realsozialistischen Projekts werde auch die bis dato zweifelsfreie (Selbst-)Legitimierung der westlichen Demokratien als Gegenmodell in Frage stellen und den Projektionsfeldern «Nation» und «Religion» zu neuer Konjunktur beim individuellen Identitätsmanagement verhelfen. Mittlerweile ist das Paradox als Krise greifbar: Während sich das Demokratieversprechen weltweit allergrößter Beliebtheit erfreut und zumindest in der politischen Rhetorik beinahe als universell gelten darf, belegen die Umfragestatistiken in den bis vor kurzem noch konsolidiert geglaubten Demokratien einen grassierenden Vertrauensschwund besorgter Bürger*innen in ihre Institutionen – verbunden mit der zunehmenden Angst vor neuen, supranationalen ...
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Theater heute Dezember 2016
Rubrik: Magazin, Seite 74
von Anja Quickert
Die Zeitungen sind auch an dem Morgen, an dem dieser Artikel entsteht, voll. Voll von deutschen Waffen, die im Ausland töten. Jemen. Nordafrika. Ganz aktuell. Die Rüstungsindustrie auf dem Vormarsch. Kein Geheimnis, vielleicht ein Tabu, unsere Gewehre verkaufen sich nun mal gut. Besonders die aus Oberndorf, einem kleinen Ort in Schwaben, wo gleich zwei große...
Begegnungen mit dem Schauspieler Franz Rogowski. Das erste Mal: 2011 in Salzburg. Wir saßen mit Philipp Hochmair in einem Café abseits des Festspieltrubels und sprachen über den «Faust» von Nicolas Stemann, der in den nächsten Tagen Premiere haben würde. Auf einem Rennrad mit für das Kopfsteinpflaster viel zu dünnen Reifen kam ein junger Mann mit höchst...
Der Wunsch nach theatergeschichtlichem Überblick stößt unweigerlich auf Manfred Braunecks lexikalisches Werk. 2010 wurde ihm für seine Forschungen zur «Geschichte des Theaters in all seinen Ausdrucksformen» der Balzan-Preis von gleichnamiger Stiftung verliehen, dessen Preisgeld zur Hälfte – und unter administrativer Obhut des ITI Deutschland – in ein...
