Festival: Ein Triumph der Gelenkigkeit
Der Herrgott hätte ruhig ein paar Flöhe und Wanzen weniger erschaffen können. So denkt ein Missionar, den ein halbes Jahrhundert Kongo ausgesaugt hat. Pater André ist auf Vortragsreise. Linkisch blinzelt er in die Scheinwerfer, er räuspert sich, blättert fahrig im Manuskript, als könnte das, was er erlebt hat, ohnehin keiner in Worte fassen.
Pater Andrés Kirchenbezirk ist denkbar unzugänglich. Er holpert im Jeep durch den Busch und bezahlt die Dörfler am Weg dafür, dass sie ihn aus Schlammlöchern schaufeln, die sie mutmaßlich selbst gebuddelt haben.
Früher, als sein Knie noch nicht steif war, hat André das Motorrad vorgezogen, so eine leichte Knatter-Yamaha, man muss allein drunter vorkriechen können, denn wer in Zentralafrika auf einer einsamen Dreckpiste unter die Maschine stürzt, wird vom Ungeziefer aufgefressen, bevor Hilfe kommt.
Den «weißen Vater» auf Heimaturlaub spielt Bruno Vanden Broecke, und wer ihm beim Theaterfestival Basel an den Lippen hing, in «Mission», diesem hintergründigen Zweistundenmonolog des Dramatikers und «Kongo»-Bestsellerautors David Van Reybrouck, der weiß, warum Vanden Broecke daheim in Belgien begehrt ist. Man möchte diesen Schauspieler noch in ...
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Theater heute November 2012
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Stephan Reuter
Der Butler (Dirk Audehm) torkelt wie der selige Freddie Frinton aus «Dinner for One» den Afternoon-Tea für die Damen herbei – in einem Bühnenbild (von Marc Bausback), das mit Fotojalousien und rot-grünem Primärkontrastmobiliar ironisch einen süßlichen Hauch von Empire-Wohnstube verströmt. Nicht süßlich, eher schon echter Kandiszucker sind die funkelnd...
Auch nach der Niederlage bleibt Ibsens Volksfeind sich treu. Dabei versuchen alle, die ihm gerade noch eiskalt den Rücken gekehrt und ihn samt seiner Familie verstoßen haben, ihm eine Brücke nach der anderen zurück in die Kurortsgesellschaft zu bauen: sein Bruder, der Stadtrat Peter Stockmann, die einst befreundeten Journalisten vom «Volksblatt», Redakteur Hovstad...
«Warum nimmt ein Jude keine Schmerzmittel? – Weil der Schmerz dann aufhört.» Sollte man ruhig öfter probieren: Zum Auftakt eines Theaterabends ein paar Witze erzählen, so wie Natalia Belitski in der Box des Deutschen Theaters. Das lockert auf und wärmt an. Und verspricht im Fall von Marianna Salzmanns «Muttersprache Mameloschn» obendrein etwas, das auch gehalten...
