Jakob Nolte: «Schreckliche Gewalten», Matthes & Seitz, Berlin 2016, 340 Seiten, 22 Euro
Falsche Fährten
Jakob Nolte schreibt mit Michel Decar Theaterstücke und ist noch keine 30. Zuletzt haben Nolte Decar, wie sie sich als Autorenduo nennen, für das Schauspielhaus Zürich «Der neue Himmel» geschrieben, eine eher unlustige Terrorgroteske, die böse verrissen wurde. Netter betrachtet: Nolte Decar bedienen nicht das Bild der fitten Realismusschreiber, die wichtige Themen für versteckte Nebenspielstätten verständlich aufbereiten.
Das erkennt man auch bei Jakob Noltes zweitem Roman «Schreckliche Gewalten», der es immerhin auf die Longlist des Deutschen Buchpreises geschafft hat.
Aus dem Talar der Ironie lugt ein ernster Autor heraus. Der Stil ist parodistisch auktorial, der Erzähler weiß alles und beschreibt die Protagonisten, die Geschwister Iselin und Edvard, schon auf der ersten Seite so redundant wie unpräzise: «Die Verhältnisse, aus denen sie stammten, waren irgendwie okay.» Oder auch nicht. Die Mutter Hilma verwandelt sich in einen Wolf und reißt den Vater, Honik mit Namen. Wir schreiben das Jahr 1973, und die Tierwerdung der Mutter findet im beschaulichen Bergen statt, in Norwegen. Damit ist die Saat gestreut für allerlei Interpretationsexzesse, die der notorisch abschweifende ...
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Theater heute Dezember 2017
Rubrik: Bücher (12 17), Seite 52
von Tobi Müller
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