Eva Behrendt: Kriegsgewinnler mit Mission
Die Hölle sieht ganz beschaulich aus. Zumindest mit Coffeeshops und italienischen Restaurants, Bücherstuben und Szenefriseuren, Bioläden und Kinderboutiquen ist sie reich gesegnet. Der schwunghafte Einzelhandel in der Berliner Hufelandstraße wird frequentiert von Leuten vielleicht wie Du, in jedem Fall aber wie ich: zugezogen aus dem so genannten Westdeutschland, Akademiker, Grünen-Wähler, oft in Politik, Kultur und Medien beschäftigt und gerade frisch fortgepflanzt.
«Macchiatomütter» ist noch die freundlichere Bezeichnung, die die kritische Presse für unsere Spezies erfunden hat; über «Edeleltern und ihre Bestimmerkinder» hat die taz-Redakteurin Anja Maier sogar ein ganzes Buch geschrieben. Prominente Ostregisseure lästern gern über den Prenzlauer Berg: Frank Castorf, der hier ebenfalls ein Kleinkind unterhält, attestiert den «Bioladeneltern» regelmäßig eine «faschistoide» Gesinnung, Armin Petras ergreift offensiv die Flucht vor der Gentrifizierung und wechselt demnächst nach Stuttgart.
Auch der Theatermacher und Hufelandstraßenbewohner Jürgen Kuttner weiß wenig Gutes über sein Umfeld zu sagen. Ein «Horrorghetto» sei dieses Bötzowviertel: «Ich lebe hier in einer national ...
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Theater heute Februar 2012
Rubrik: Akteure, Seite 34
von Eva Behrendt
Am Abend der Premiere von «Atropa» an den Münchner Kammerspielen rollen die letzten Panzer der US-Army in Richtung kuwaitische Grenze aus dem Irak. Fast zehn Jahre Krieg, 4.500 gefallene Soldaten, 114.000 getötete Zivilisten, ein noch immer zutiefst destabilisiertes Land – die ernüchternde Bilanz eines Krieges, der angeblich zur Verteidigung westlicher Werte und...
Das Kleistjahr 2011 hat uns eine neue dramatische Figur beschert. So wie Andreas Kriegenburg am Deutschen Theater Berlin anlässlich des «Käthchens von Heilbronn» einen siebenfachen Heinrich von Kleist in historisierenden Knickerbockern aufbot, treffen wir auch in Robert Borgmanns Leipziger «Penthesilea»-Version auf den Autor himself (beziehungs– weise das, was der...
Früher war mehr Lametta und sowieso alles besser. Auf solch seelenstreichelndes Geseufze mag sich zurückziehen, wer in der Gegenwart keinen Halt mehr findet und mit der Zukunft schon abgerechnet hat. Doch die Zeit bleibt nicht stehen – und auf einmal sind uns die in die Jahre gekommenen Rückwärtsgewandten verwandter, als wir wahrhaben wollen: Sie faseln längst...
