Europa in großen Stücken
Diese auch im Umfang weit ausholende Studie begibt sich in die osteuropäische Theaterwelt der siebziger und achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts. Moskau und Leningrad, Budapest und Warschau, Prag und Sofia, das sind die Theaterhauptstädte jener 1989/90 endenden Epoche, in der die meisten Theater als Staatsbetriebe geführt und versorgt wurden, dafür aber – je nach Lage und Bedeutung – mehr oder weniger Aufsicht und Auftrag erdulden mussten. Der Staatssozialismus wollte die Theater, ob an der Moldau, Donau oder Newa, in die Pflicht nehmen.
Viele selbstbewusste Künstler
sahen das eher anders und wollten diesen Teil der damaligen Weltordnung kritischer, visionärer oder eben einfach in seinen Widersprüchen zeigen. Aus einer solchen Gemengelage konnte aus den einzeln fortwirkenden Traditionen großes Theater entstehen, und vor allem mit dieser Sicht lässt Wolfgang Kröplin sein Panorama des «mittelosteuropäischen Theaters» entstehen.
Erste Anlässe für den Leipziger Dramaturgen und einstigen Dozenten (für Drama und Theater Osteuropas an der dortigen Theaterhochschule) waren zunächst die eigenen Reisen, die von persönlich erfahrenen Städtebildern ausgehend für den Doppelband zu ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Februar 2014
Rubrik: Magazin: Bücher, Seite 70
von Thomas Irmer
Mit seinen 35 Jahren ist Shenja Lacher schon mächtig rumgekommen und hat praktisch an allen Rändern Deutschlands gekratzt. Von der Rostocker Schauspielschule im hohen Nordosten ging es zum Erstengagement nach Zittau ins tschechisch-polnische Dreiländereck. Dann nach kurzer Stippvisite in der Mitte, in Mannheim, weiter in den äußersten Nordwesten nach Oldenburg. Und...
Er: ein älterer knorriger Einzelgänger mit Bluthochdruck. Sie: eine junge überlastete Notärztin. Er: der leutselige Alltagsrassist von nebenan. Sie: eine Hessin mit ägyptischem Vater. Ein Traumpaar kann daraus nicht werden, aber vielleicht ein Theaterstoff. Das jedenfalls ist der Ansatz beim Projekt «Fremdraumpflege». Die Initiative stammt von Pforzheims...
Der Choreograf Iván Markó und seine Compagnie Ungarisches Festival Ballett verbeugen sich beim Schlussapplaus ihrer Premiere. Sie haben gerade «Die Tragödie des Menschen» getanzt, ein Drama des ungarischen Nationaldichters Imre Madách aus dem Jahr 1861. Plötzlich steht ein junger Mann in der vierten Reihe auf und protestiert mit seinem Megafon gegen die immense...
