Es ist Tauwetter!
Europa liegt in Trümmern, zerbombt von Terroristen. Aus dem Radio ruft die «Stimme der Revolution» die im Westen angekommenen Tschechen nach «Bugulma», der vermeintlich letzten Bastion des Kommunismus. – Wer möchte, kann sich hier einen gesellschaftspessimistisch abgedrehten Science-Fiction vorstellen, aber Jachym Topols böse Satire «Die Reise nach Bugulma» ist weit mehr.
Der dritte Beitrag der Düsseldorfer Uraufführungsreihe «Das neue Europa – Warten auf die Barbaren» zeigt die Um- und Aufbruchssituation im Zuge der EU-Osterweiterung einmal spiegelverkehrt und versprüht dabei ganze Fontänen tiefschwarzen Humors.
Das zerbombte Europa bildet in dem erstem Theaterstück des tschechischen Autors ein futuristisches Zerrbild, das alsbald mit der sowjetischen Vergangenheit kollidiert, mit den schmachvollen und gern verschwiegenen Opfern der kommunistischen Diktatur, aber auch mit den Blütenträumen unverbesserlich schwelgender Altkommunisten: Vater Eman ist mit seiner Familie zwar in der EU angekommen, aber höchst unzufrieden. Denn mit der Abschaffung der Todesstrafe ist der ehemalige «Henker von Prag», der unter den Kommunisten gut zu tun hatte, arbeitslos geworden und fühlt sich als ...
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Mit einer Art schauspiellosem Schauspiel ist Richard Maxwell aus Fargo, North Dakota, zu Ruhm und Ehren gelangt. Seine Inszenierungen «House» (1999), «Caveman» (2002) und viele andere sind über Festival-Bühnen von New York bis Oslo getourt, weil ihre Protagonisten eine hochkomische Form US-amerikanischer Apathie verkörperten: Provinzgestalten vom unteren Ende...
Die Revolution ist ein ambulanter Zustand. Sie duldet kein Sich-Einrichten. Ihre Führer sitzen am besten auf gepackten Kisten – wartend wie auf die lange Bank geschoben für einen kurzen Prozess, der ihnen gemacht wird. Wenn sich mit pathetischer Geste der rote Vorhang rafft, liegt die Bühne des Schauspielhauses Bochum im Dunkel. Die Konturen eines zu Paaren...
Achtung, das war gerade ein echter Theaterskandal. Tage-, nein wochenlange Aufregung, jeden Morgen neue Aufmacher und Kommentare, Reden und Gegenreden in den Feuilletons, plötzlich hatte jeder wieder eine Meinung. Und die Folgen sind noch gar nicht absehbar. Möglicherweise steht das gesamte deutschsprachige Regietheater zur Disposition. Sogar die «Bild»-Zeitung war...
