Entdeckung: Aus einem Koffer in New York
Die Filmschauspielerin Marlene Dietrich ist (einer) geheimnisvollen Anziehungskraft in hohem Maße teilhaftig. Sie wirbt ohne Spur werbender Bemühung, lockt und verlockt ohne Absicht oder Wunsch, so zu tun. Auf dem Erregenden, das von ihr ausgeht, ruht der Zauber der Unwillkürlichkeit …
es liegt in der Luft um sie ein Irritierendes, das, so deutlich zu spüren wie leider nur undeutlich zu erklären, vielleicht auch Widerstand, Ablehnung oder Ähnliches aufkommen lassen mag, aber bestimmt nie Gleichgültigkeit.»
Da streckt einer die Waffen.
Da ist einer hoffnungslos dem Charme einer Frau erlegen, deren «Sex Appeal», wie er weiter fast atemlos vor Bewunderung schreibt, «unser Blut ins Träumen» bringt. Da gehen einem beinahe die Worte aus angesichts einer «Sinn- und Triebreizung», eines «Zaubers der Unwillkürlichkeit», schließlich ganz banal wegen dieser Beine «in ihrer ganzen himmlischen Länge». Aber das sind keine Sätze eines pubertierenden Pennälers, der sich vor Sehnsucht vergehend in die unaufgeräumte Tingeltangel-Garderobe einer «feschen Lola» schleicht und in «hosenmatzigen Dessous» wühlt, oder eines gefallenen, ehedem honorigen Professors, der untergehen wird in der Verruchtheit ...
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Theater heute April 2015
Rubrik: Magazin, Seite 59
von Bernd Noack
Es gibt sie wirklich – Mails, die alle Probleme mit einen Handstreich aus der Welt schaffen können. Bei Peter Thiessen traf eine solche Nachricht am Anfang des Jahres 2007 ein. Sie stammte von der Regisseurin Friederike Heller und enthielt eine vorsichtige Anfrage: ob er sich vorstellen könne, mit seiner Band die Musik für eine ihrer Theaterproduktionen zu...
Eigentlich ist das ein unverfänglicher Ort: ein Pub am Ende der Straße, wo man ein wenig rumhängt am Feierabend, ein, zwei dunkle Bier trinkt, redet, Fußball schaut. Und es sieht auch so aus, als würde dieser Tag friedlich und ereignislos ausklingen: Jimmy kommt, bestellt und fachsimpelt mit Wirt Robert über ein Match. Doch Jimmy ist nervös, er wartet auf jemanden....
Einen zugeneigteren Richter als Andreas Müller hätte sich das Münchner Residenztheater gar nicht wünschen können. Juristisch hatte man in der Sache «Baal» nicht den Hauch einer Chance. Frank Castorfs Inszenierung verwendet in ihrer Fassung umfangreiche Fremdzitate – darunter Texte von Rimbaud, Carl Schmitt, Ernst Jünger, Frantz Fanon sowie längere Passagen aus...
