Einspruch: Das fehlt!
Das Hehre im Normalmaß
Karin Beiers Kölner «Die Troerinnen» nach Euripides und Jean-Paul Sartre
Zweimal war Karin Beier während ihrer Kölner Intendanz mit eigenen Arbeiten zum Berliner Theatertreffen geladen, mit Ettore Scolas «Die Schmutzigen, die Hässlichen und die Gemeinen» sowie dem Jelinek-Triptychon. Ihre stark kondensierten «klassischen» Inszenierungen fehlen.
«Die Troerinnen» ziehen die Summe aus der Polit-Performance von Hebbels «Nibelungen», mit der Beier 2007 in Köln startete, der Intimität des Medea-Materials in Grillparzers «Das Goldene Vlies» und Shakespeares «Lear»-Apokalypse. Klangkörper, Tanzkörper, Klagekörper sind die sieben Frauen; in grau-schwarze Daunenüberwürfe gekleidet, umhüllt von Vogelstimmen und Kettengeklirr, Nebelschwaden und schwerem Atem, verteilen sie sich auf der leeren Fläche (Thomas Dreißigacker) – zugleich Spielplatz eines düsteren Abenteuerspiels.
Mehr Oratorium als Drama ist die Schmerz-Partitur zum Gotterbarmen, obschon die Olympier vom Dichter Euripides expatriiert, von Sartre zum Sterben verurteilt und von Beier nahezu neutralisiert werden. Altgriechische Wehklage, englische Songs, deutsches Liedgut, theoriesatte Diskurs-Prosa von Cioran, ...
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Theater heute Mai 2013
Rubrik: Theatertreffen Berlin, Seite 26
von Andreas Wilink, Christine Dössel, Peter Laudenbach
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