Übungen in Missbrauch
Die Präsentation der sieben oder acht interessantesten deutschsprachigen Theatertexte für das Stücke-Festival in Mülheim hat sich in den letzten Jahren zu einem gewissen Ritual entwickelt, bei dem zwei Ansagen sich rhythmisch wiederholten: Zu jedem Preisrennen um den Mülheimer Dramatikerlorbeer konnte die große strukturelle Vielfalt der Stile und Haltungen in der deutschsprachigen Stückelandschaft beschworen werden, aus der sich aber dennoch stets ein saisonales Primärthema erhob: mal war es Gewalt, mal Familie, mal eine neue Hinwendung zum politischen Gesellschaftsstück, dieses Jahr i
st es «Missbrauch». Doch nur die erstere dieser Traditionen folgt einer Absicht. Spielt das Spektrum unterschiedlicher Textformen in der Endauswahl durchaus eine gewisse Rolle, so gilt dies für das Aufkommen eines inhaltichen Trends definitiv nicht. Den setzen die Autoren.
Gerade am Thema Missbrauch lässt sich leicht erkennen, warum diese Themenbildung auf einem Festival, das nicht nach einem Thema sucht, weder ein Mysterium noch Resultat einer stillen Absprache der Vorjury ist. Dass Anfang 2010 damit begonnen wurde, den systematischen Missbrauch in Einrichtungen der katholischen Kirche auch in ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Mai 2013
Rubrik: Neue Stücke in Mühlheim, Seite 43
von Till Briegleb
Aachen, Grenzlandtheater
28. Hübner, Nachtgeschichte
R. Catharina Fillers
Aachen, Theater
17. Ibsen, Hedda Gabler
R. Ludger Engels
Aalen, Theater der Stadt
11. Goethe, Faust
R. Katharina Kreuzhage & Nikolaos Boitsos
12. Funke, Die wilden Hühner geben Fuchsalarm
R. Petra Jenni
Altenburg/Gera, TPT
25. Fransz, Medea (DE)
R. Jürg Schlachter (in Gera)
Baden-Baden, Theater
17....
Monsieur Martin weiß es: Zur Sünde wird Genuss erst durch die Reue. Deshalb erfindet er seinen Preis: «Le Prix Martin», die pure Rache, gekleidet ins Gewand einer literarischen Auszeichnung. An der Académie française will er den Preis ausgelobt wissen, für die erfindungsreichste Abhandlung zum Thema «Über die Infamie, mit der Gattin des besten Freundes...
Ein Stück für Musik, nicht mit Musik, nennt sich Händl Klaus’ neuestes Werk «Gabe/Gift». Ein Stück für Sprachmusik. Händl Klaus, der Spezialist für das absichtsvoll Unheimliche unter den gegenwärtigen deutschen Theaterautoren, ist auch ein Sprachtüftler. Er erfindet eine Familiensprache – kein Dialog, ein gemeinsamer Monolog mit verteilten Silben. Eine Replik ist...
