Don’t make me fertig
Wie viel Menschen direkt oder indirekt für den Coltan-Abbau im Osten des Kongos ihr Leben gelassen haben, weiß niemand genau. Unter nicht vorhandenen Sicherheitsbedingungen schürfen dort unter anderem Kinder nach dem seltenen Erz, ohne das kein Gerät unserer schönen neuen elektronischen Welt funktionieren würde. Minen stürzen ein, Bürgerkriege toben um den Zugang zu den Bodenschätzen.
Kein großes Thema für uns Dauertelefonierer und E-mail-Checker, ehrenwert also, ihm auf dem Theater Raum zu geben. Eigentlich.
Aus dem poetischen Raunen, mit dem Roland Schimmelpfennig das afrikanische Grauen und das westliche Achselzucken am Hamburger Schauspielhaus zusammenkomponiert, erfährt man allerdings so gut wie nichts über die verheerenden Fakten dieses Zusammenspiels. Es bleibt alles im allegorisch Vagen wie die Namen seiner Figuren: «Der Riese» ist der weiße Betreiber einer Mine im Nirgendwo, «die blinde Frau» verliert bei einem Grubenunglück ihren Mann («der Mann in der Grube») und weint Tag und Nacht ihre Klagegesänge um ihn, bis sich der Riese «unsterblich» in die Singende verliebt, die sich ihm hingibt, damit er ihren Mann ausgräbt. Mit seinen Händen, darunter machen es neo-mythische ...
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Theater heute Juli 2014
Rubrik: Chronik: Hamburg, Seite 52
von Barbara Burckhardt, Anja Sackarendt
Am Anfang stand ein besonderer Fall von investigativem Journalismus. Jacob Applebaum, der NSA-Rechercheur und Snowden-Vertraute, sollte in seiner «Theater der Welt»- Eröffnungsrede über zwei Aspekte von Aufklärung sprechen – Lessings Traum und den Alptraum der Spionage –, redete aber lieber aus aktuellem Anlass in eigener Sache. Denn der gerade frisch gekürte...
Zweifellos handelt es sich bei der 23-jährigen Katja Brunner um einen schweren Fall von Hochbegabung. Um eine junge Frau, die sich in einer seltsam altertümelnden Sprache erbricht, als wäre sie von Thomas Mann besessen. Ein wenig, als wäre ihr Autorinnen-Ich selbst so ein spiritistisches Wesen aus dem «Zauberberg». Ist sie aber natürlich nicht. Katja Brunner ist...
Der Mann, ein König, ein Tyrann, stürmt aus der Tiefe des Raums im wehenden Mantel, als wolle er alle Welt gleich überrennen. Schon ist er nah, da fährt ein unsichtbarer Blitz ihm in die Glieder, und mit dem Mann scheint auch die ganze Welt für einen Augenblick stillzustehen. Der Mann im Innehalten sagt kein Wort, nur fällt in dieser langen, kurzen Weltsekunde sein...
