Die Würstchen der Wahrheit
Angehängt an Wolfram Lotz’ Theaterstück «Der große Marsch» ist eine frisch delirierende «Rede zum Unmöglichen Theater», die man jedem Schauspielschüler, dem sie nicht sowieso schon aus dem Herzen spricht, an den Garderobenspiegel pinnen möchte.
Es geht los mit «Die Würstchen der Wahrheit, die für uns gebraten werden, wollen wir nicht mehr essen!», dann verflucht Lotz ausgiebig die Wirklichkeit samt des von ihr für uns vorgesehenen Endes, dem Tod, um schließlich das Theater als Ort zu beschwören, «an dem die Fiktion in Wirklichkeit umgewandelt wird», und insistiert: «Jaja, aber dann lasst uns das auch machen!»
Am Leipziger Centraltheater, in der Spielstätte Skala, hat der vierte Jahrgang der Schauspielschule Felix-Mendelssohn-Bartholdy die schöne Gelegenheit, Fiktion in Wirklichkeit umzuwandeln. Allerdings mit zwei Einschränkungen: Da ist zum einen «Der große Marsch» des 32-jährigen Hamburgers Lotz, ein Meta-Theatertext und Ironisierung des (politisch engagierten) Regietheaters, in dem der Autor selbst samt seiner Mutter auftritt, aber auch (unter anderen) Bakunin, Lewis Paine und Josef Ackermann, in dem kleinteiligst ein billiges Büffet mit mehreren Sorten Nudelsalat ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Mai 2013
Rubrik: Chronik, Seite 61
von Eva Behrendt
Zu ihrem zwanzigjährigen Bestehen beschenkt die britische Kult-Physical-Theatre-Gruppe «Told by an Idiot» sich und die insulare Theaterwelt mit einer wunderbar skurrilen neuen Produktion. «Idiot»-Veteran Paul Hunter kickstartet «My Perfect Mind» in weißem Kittel, Walle-Perücke und perfektem Deutsch. Besonders Letzteres für einen Engländer eine grandiose Leistung:...
Zimmer 525 im Dorint Hotel an der Messe Basel: Eine Frau liegt quer über das Bett gestreckt. Neben ihr ein Bauplan. Sieht komplex aus. Die Frau trägt Business-Kostüm, sie rührt sich nicht, offenbar ist sie über der Skizze eingenickt. Typischer Fall von Erschöpfungsschlaf. Dann schreckt sie hoch, besinnt sich, setzt ein Lächeln auf: «Herzlich willkommen in...
Schulniveausenker, Frauenschläger und vielleicht sogar spätere Rentenkassierer – über die gewaltbereiten unsozialen Jugendlichen mit Migrationshintergrund lassen wir uns in Deutschland gerne aus. Für die Generation ihrer Großeltern, die als sogenannte Gastarbeiter in den 60er Jahren nach Deutschland kamen, haben wir uns indes nie interessiert, auch nicht im...
