Transitgefühle
Zimmer 525 im Dorint Hotel an der Messe Basel: Eine Frau liegt quer über das Bett gestreckt. Neben ihr ein Bauplan. Sieht komplex aus. Die Frau trägt Business-Kostüm, sie rührt sich nicht, offenbar ist sie über der Skizze eingenickt. Typischer Fall von Erschöpfungsschlaf. Dann schreckt sie hoch, besinnt sich, setzt ein Lächeln auf: «Herzlich willkommen in Shanghai.»
Das Theater Basel schickt uns Zuschauer grüppchenweise auf einen Parcours durchs Gebäude, und das Hotel spielt den Transitraum, wir begegnen Europäern, die von ihrem Alltag erzählen.
Sie sind «Expats – Eidgenossen in Shanghai», Business-Söldner, Auswanderer auf Zeit und nur des Geldes wegen in China. So wie die Projektleiterin von Zimmer 525 (Claudia Jahn), die über Betonpfahlkonstruktionen im Lehmboden doziert und damit ihre Einsamkeit überspielt. Sie reicht Fotos herum von Wolkenkratzer-Fundamenten, die im Baustellenschlamm wegknicken wie Schilfrohr. Die Kluft zwischen dem, was auf dem Papier und was auf der grünen Wiese passiert, treibt sie fast in den Wahnsinn.
Im Auftrag des Basler Theaters hat die Autorin Gesine Schmidt aus Interviews mit Schweizer Expats ein Stück montiert. Die junge Regisseurin Antje Schupp ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Mai 2013
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Stephan Reuter
Zu ihrem zwanzigjährigen Bestehen beschenkt die britische Kult-Physical-Theatre-Gruppe «Told by an Idiot» sich und die insulare Theaterwelt mit einer wunderbar skurrilen neuen Produktion. «Idiot»-Veteran Paul Hunter kickstartet «My Perfect Mind» in weißem Kittel, Walle-Perücke und perfektem Deutsch. Besonders Letzteres für einen Engländer eine grandiose Leistung:...
Drei Tage dauerte das Theaterspektakel der «Moskauer Prozesse» in den Räumen des Sacharow-Zentrums. Genau in diesem Saal stürmten im Jahre 2003 rechtgläubige Aktivisten die Ausstellung «Vorsicht, Religion!», genau hier öffnete vier Jahre später die Ausstellung «Verbotene Kunst 2006». Und genau hier schauten am dritten Tag der «Moskauer Prozesse» rechtgläubige...
Ein Stück für Musik, nicht mit Musik, nennt sich Händl Klaus’ neuestes Werk «Gabe/Gift». Ein Stück für Sprachmusik. Händl Klaus, der Spezialist für das absichtsvoll Unheimliche unter den gegenwärtigen deutschen Theaterautoren, ist auch ein Sprachtüftler. Er erfindet eine Familiensprache – kein Dialog, ein gemeinsamer Monolog mit verteilten Silben. Eine Replik ist...
