Die Veränderungsaneigungsmaschine
In meiner Vorstellung ist dieses Theater eine architektonische, räumliche Erweiterung meines Körpers. Ein Wahrnehmungsapparat. Was sich eröffnet, ist ein Ort, in dem alles fröhlich uneindeutig ist, so klar es auf den ersten Blick auch erscheinen mag. Die Architektur, die Schichtung des Baumaterials, die Wände. Oder die Türen, mit flackernden Notausgangsschildern, die Art und Weise, wie die Räume und Wege beschriftet sind, die Feuerlöscher aus rotlackiertem Porzellan, kurz vor dem Zerbrechen. Die Körper und was sie einem sagen, wenn man ihnen unterwegs begegnet.
Die Menschen an der Kasse, die Kartenabreißer, die Performerinnen, die nicht sie selbst sind, und das Publikum, das eigentlich die Statisterie ist. Ein Raum, in dem Schauspieler und Person, Kulisse und reales Gebäude, Dreck und Attrappe, Zuschauer und Claqueur, Propaganda und Wahrheit, Nebel und Nebelmaschine wie in einer Verwechslungskomödie ununterscheidbar ineinander überblenden und miteinander verschweißt sind. Es ist nicht klar, wann die Vorstellung losgeht und auch nicht, wann sie aufhört. Sicher ist nur, dass das Gebäude irgendwann explodiert.
Dieser Ort ist ein Ort der Entscheidungsmöglichkeit. Nur dort, wo die Dinge ...
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Theater heute Jahrbuch 2014
Rubrik: Reale Utopien, Seite 74
von Boris Nikitin
Azar Mortazavi beschreibt in ihrem neuen Stück zunächst leise und sensibel eine Miniaturgesellschaft im deutschen Alltag, um Schritt für Schritt die Perspektive auf ein größeres, ein Menschheitsthema zu weiten. Wie konnten wir annehmen, den Krieg gäbe es nur anderswo? Kriege finden in scheinbar sicherer Entfernung statt, verursachen nur ab und zu einen kleinen...
Seit Adam und Eva beginnt alles mit einem Trauma – Geburt. Was danach folgt, sind Lektionen fürs Leben. Ungefähr so läuft es im allgemeinen und auch im konkreten Fall: Die Empfängnis war zwangsläufig, und gegen die nachfolgende Schwangerschaft konnte sie nichts unternehmen. Also rüstet die Mutter ihr Kind noch vor der Geburt für ein anderes Leben. Gehorsam befolgt...
Franz Wille (im Intendantinnen-Zimmer) Schönes Büro, man kann hier schon ein bisschen abheben.
Karin Bergmann Hier in dem Zimmer eher nicht. Das Burgtheater birgt zwar immer die Gefahr, dass es so etwas potenziert, aber das ist mehr ein Phänomen für die Feststiege. Hier im Büro holt einen dagegen ständig die Realität ein. Ich hebe nur ab, wenn ich unten auf der...
