Der Krieg ist zurück
Azar Mortazavi beschreibt in ihrem neuen Stück zunächst leise und sensibel eine Miniaturgesellschaft im deutschen Alltag, um Schritt für Schritt die Perspektive auf ein größeres, ein Menschheitsthema zu weiten. Wie konnten wir annehmen, den Krieg gäbe es nur anderswo? Kriege finden in scheinbar sicherer Entfernung statt, verursachen nur ab und zu einen kleinen Erkenntnisschock beim Blick in die täglichen Nachrichten.
Was uns mit den Kriegen der Welt jedoch umso stärker verknüpft, ist die Tatsache, dass immer sichtbarer Menschen, die den Krieg erlebt haben, mitten in unserer Gesellschaft leben, mit deutschen Pässen, das «neue deutsche Wir» verkörpernd. Diese Menschen und ihre Nachfahren bringen ihre Geschichten mit und mit ihnen den Krieg. Nicht als terroristische Aktion, wie oft dräuend suggeriert wird, sondern als seelischen Stoff, als Thema, Sujet, als Kraft. Der Krieg kommt also zurück, wenn auch sublimiert und umgewandelt. Und hierin liegt eine Chance des Theaters.
Die junge deutsche Autorin Azar Mortazavi, deren Vater aus dem Iran stammt, ist Chronistin von Schockwellen, die unseren scheinbar friedlichen Innerweltkosmos erschüttern. Sie beobachtet feine Haarrisse im Gefüge ...
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Theater heute Jahrbuch 2014
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 192
von Peter Helling
Zuerst stellt sich für mich sogleich die Frage, wie der Ort für dieses Traumangebot aussieht. Wo ich bin, ganz real.
Und da tauchen auch schon drei ehrwürdige Hallen auf. Ein Park mit alten Bäumen, einen Biergarten hat es, unmittelbar an einem breiten, langsamen Fluss. Das beeindruckt mich besonders. Ein unbestechlicher Begleiter, Einmitter, Erregungshemmer, der...
Man kann viel mehr sehen, wenn man nur genau hinsieht», schreibt David Gieselmann in seiner Komödie «Falscher Hase». Was könnte dem flüchtigen Blick beim zu schnellen Hinschauen denn entgehen? In «Container Paris» zeigt sich auch bei ganz genauer Betrachtung nur eins: das Nichts.
Im Zentrum des neuen Stückes von David Gieselmann steht ein Container. Genauer...
Bisher standen Publikumsgespräche ja nicht unbedingt im Verdacht, zu den kontroversesten Genres des Bühnen-Business zu gehören. Zumindest nicht unter den beteiligten Schauspielern: Man gibt kollektiv Auskunft, wie man die schieren Textmassen bewältigt, welcher Inspirationsquellen man sich bedient oder womit man – im aufregendsten Fall – den Regisseur getriezt hat;...
