Die Sprungkraft des Toasters
Inzwischen hat auch Kaiser Franz bemerkt, dass etwas nicht stimmt. «Beim Fußball halten zu viele die Hand auf», hat Beckenbauer messerscharf erkannt. Alle seien verwickelt. Manager, Trainer, Präsidenten, Politiker: «Man sollte über die Grenze des Geldverdienens reden.» Er muss es ja wissen. Franz Beckenbauer verkörpert schließlich den deutschen Fußball in seiner ganzen Größe. Der Multifunktionär, Werbeträger und Boulevardheld weiß, wie der Ball rollt.
Keiner konnte seine Mitspieler im Vorbeilaufen so elegant foulen wie er («auf amoi war er weg»), keiner hatte so eine geniale Spielübersicht. Der alte Doppelpass-Kumpel Gerd Müller hat jüngst in einem Interview mit der «Süddeutschen Zeitung» die überlegene taktische Finesse der Exweltmeister offen gelegt: «Wenn mi der Franz fest angspuit hat, hab ich gwusst, i muass was mit dem Ball macha.» Und jetzt also die Sache mit dem vielen Geld: «Nach der Weltmeisterschaft sollte man dieses Thema einmal generell angehen.»
Damit rückt der Franz Elfriede Jelinek ganz nah, die schon seit längerem sportkritisch engagiert ist, allerdings weniger ökonomisch, mehr im Grundsätzlichen. Sport, so schreibt die Jelinek, ist die «Organisation menschlicher ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Ich bin keine Dichterin. Nein.» Schon nach den ersten fünf zappendusteren Worten ist klar: Dies wird ein letzter Bericht, ein Requiem, ein Testament. Sophie Rois, die Castorf-Diva und Pollesch-Heroine, liest Gertrud Kolmars «Susanna», eine Erzählung, die die 1943 in Auschwitz ermordete Autorin drei Jahre vor ihrem Tod in einem Berliner Arbeitshaus schrieb, und sie...
Halb elf am Nürnberger Hauptbahnhof hatten wir ausgemacht. Der Schauspieler Andreas Uhse steht vor dem «Info-Center», und von weitem meint man, diese Haltung zu kennen: ein wenig verloren und irgendwie fehl am Platz, allein unter Unzähligen. Der kahle Schädel zuckt immer mal ruckartig wie der Kopf eines aufmerksamen Vogels, die spitze Nase sticht in die Luft, die...
Transportschaden
Der Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin nutzte eine Diskussionsveranstaltung des Berliner Theatertreffens, um unter Verweis auf weiteren Spardruck die besonderen künstlerischen Potentiale der Hauptstadtkultur hervorzuheben: Man könne auch in einer Stadt ohne Theater leben, und wenn es denn unbedingt sein müsse, halt ein Bahnticket kaufen: «Wenn...
