Die Regeln des Spiels
Man muss sich Anne Lepper als Ethnologin vorstellen. Die mit dicker Brille und vermutlich einer fetten Kladde unterm Arm die seltsamen Rituale, Äußerungen, symbolischen Ordnungen und sonstigen Alltagskram fremder Völker anguckt und mit freundlichem Interesse emsig Aufzeichnungen macht. Kleines Beispiel von der Party eines weißen Stammes in Nordrhein-Westfalen: Ein paar Gäste stehen zusammen. Einer sagt «Harrisburg». Der andere «Sellafield». Der nächste «Hiroshima». Dann «Tschernobyl». Schließlich «Fukushima».
Darauf noch ein Gast, sozusagen abschließend: «Radioaktivität ist schlimm.»
Tja, so ist das. Alles gesagt. Natürlich nicht, dass Radioaktivität schlimm sei. Das wissen alle, sowieso klar. Sondern das triste Wissen von einem Wissen, das nichts ändert, ritualhaft aufgerufen, zur eigenen Beruhigung abgelegt und immer wieder noch im größten Partylärm und Alkoholdusel wieder abgefragt werden kann. Im Grunde steckt in der kleinen Szene das ganze Drama der Grünen. Weshalb sie dazugehören wie alte Partybekannte, weshalb sie natürlich recht haben mit dem, was sie sagen; weshalb sie nichts mehr bewirken und weshalb der ganze Laden in einer seltsamen Kombination aus Engagement und ...
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Theater heute April 2015
Rubrik: Neue Stücke, Seite 19
von Franz Wille
Es gibt diese alten mechanischen Wecker, bei denen ein Hämmerchen zwischen zwei Klingeln hin- und herschlägt: unvorstellbar laut, unvorstellbar nervtötend. Man schläft unruhig, einerseits wachgehalten vom lauten Ticken, andererseits schon am Abend in Angst vor dem Geschepper, das einen am nächsten Morgen aus wirren Träumen reißen wird. Solch ein Wecker ertönt...
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Agamemnons Tochter Elektra hält sich fit: Mit einer ausdauernden, wenn auch etwas ungelenken Körpergymnastik im coolen schulterfreien Top trifft Caroline Hankes Vaterrächerin auf ihre overdresste Mutter Klytaimnestra (Friederike Tiefenbacher im roten Futteralkleid unterm Pelzmantel). Allerdings werfen sich die beiden Gesellschaftsdamen neben altem Familientratsch...
