Die Politik wird ideologisch
Über Russlands Kunst ist Grauenvolles hereingebrochen – die Regierung hat 2014 zum «Jahr der Kultur» erklärt. Noch Schrecklicheres widerfährt gerade dem russischen Theater: Die «Vertikale der Macht» beginnt, Interesse an ihm zu entwickeln sowie – Herr im Himmel, ist es ein Traum? – das Staatsfernsehen. Vor kurzem noch regierte im Theater politische und ästhetische Freiheit, einfach deshalb, weil es der Macht absolut marginal erschien. Das heimische Fernsehen schenkte Theaterregisseuren bisher so viel Aufmerksamkeit wie Freizeitgruppen, die sich mit Makramee befassen.
Plötzlich aber erinnert man sich gleich auf mehreren Fernsehkanälen der bescheidenen Diener der Melpomene. Der verhasste Solosänger des Putin-Regimes, Dmitrij Kissiljew, hat dem Theater in seinen «Westi nedelij» (Nachrichten der Woche), der wichtigsten analytischen Wochensendung unseres Hauptkanals «Rossija» (Russland), gleich mehrere
Beiträge gewidmet. Nach Berichten über schreckliche Aufrührer von Bandera-Format* und antirussische Ausfälle des Westens erklärte er den Zuschauern die Schädlichkeit des «experimentellen Theaters», unerträglich in der Form und gefährlich im Inhalt. Darüber, wie schädlich das ...
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Theater heute Mai 2014
Rubrik: Ausland, Seite 4
von Marina Davydova
Demenz, erklärt der hypermotorische Psychiater Dr. Szatmáry eingangs dem Publikum, sei eine Krankheit, bei der das Gehirn vom Nichts gefressen werde. Ein Zustand wie in Ungarn, fügt er sarkastisch hinzu: «Keine Vergangenheit, keine Zukunft.»
In seiner schrägen Gesellschaftsparabel «Dementia, or the Day of My Great Happiness» behandelt der ungarische Regisseur...
Mit einem «Wumms» durchbricht eine Straßenbahn die Kartonwand, auf der gerade noch eine Projektion flimmerte, und das Fahrzeug wird zum Projektil, mit dem die Schauspieler erstmal das Bühnenbild zusammenfahren. Es rollt also wieder eine Tram durch das ehemalige Straßenbahndepot an der Bockenheimer Warte, eine Straßenbahn namens Sehnsucht. «Desire» steht auf den...
Ganz eng ist es geworden auf dem Marktplatz. Bauern und Kosaken kesseln Badjin, den Vorsitzenden des Exekutivkomitees, sowie Borschtschi, den Bezirks-Sekretär, der ihn begleitet, ein. Dass Badjin den verhassten Chef der Bezirksmiliz Saltanow hat verhaften lassen, lässt die Menge erstarren. Es ist ihr Triumph. Aus den hinteren Reihen hört man Gesang: «Aufgeplustert...
