Mehr Wumms
Mit einem «Wumms» durchbricht eine Straßenbahn die Kartonwand, auf der gerade noch eine Projektion flimmerte, und das Fahrzeug wird zum Projektil, mit dem die Schauspieler erstmal das Bühnenbild zusammenfahren. Es rollt also wieder eine Tram durch das ehemalige Straßenbahndepot an der Bockenheimer Warte, eine Straßenbahn namens Sehnsucht. «Desire» steht auf den Flanken des Vollholzgefährts. Zum zweiten Mal inszeniert René Pollesch nun am Schauspiel Frankfurt, und den Titel kann man sich auf der Zunge zergehen lassen: «Je t’Adorno» wie «Je t’adore», «Ich verehre dich».
Unweit des Depots hat der Kopf der Frankfurter Schule residiert, im Institut für Sozialforschung. Das Titelversprechen bleibt jedoch leer: Theodor W. Adorno ist bloß eine Randfigur, verpackt in einige Anekdoten und etwas Lokalkolorit.
Zweierlei ist Sport geworden im Pollesch-Gucken. Erstens: Seine in Serie verfassten Stücke, in denen sich Themen in Variationen fortschreiben, als Temperaturfühler der Gegenwart zu lesen: Wo sind wir? Und zweitens: Wie findet sich das jeweilige Ensemble im Pollesch-Universum zurecht – vor allem außerhalb Berlins? Arbeiten Schauspieler doch tagtäglich in einem Repräsentationssystem, das ...
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Theater heute Mai 2014
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Esther Boldt
Ganz eng ist es geworden auf dem Marktplatz. Bauern und Kosaken kesseln Badjin, den Vorsitzenden des Exekutivkomitees, sowie Borschtschi, den Bezirks-Sekretär, der ihn begleitet, ein. Dass Badjin den verhassten Chef der Bezirksmiliz Saltanow hat verhaften lassen, lässt die Menge erstarren. Es ist ihr Triumph. Aus den hinteren Reihen hört man Gesang: «Aufgeplustert...
Dass der Wille zum Spaß in nackten Unterhaltungsterror münden kann, beweist nicht nur der Kölner Karneval, sondern auch Andreas Kriegenburgs zeitnah am Staatsschauspiel Dresden herausgekommener Schenkelklopfer «Was ihr wollt» nach William Shakespeare.
Das Illyrien, in dem die elisabethanische Verwechslungsgesellschaft festhockt, ist hier ein vom Regisseur selbst...
«Nullzeit», da ist sich Jola sicher, «ist die Zeit, die man unter Wasser verbringen darf.» Was so nicht stimmt, weshalb Tauchlehrer Sven sofort korrigiert: «Nullzeit ist die Zeitspanne, die ein Mensch in bestimmter Tiefe tauchen kann, ohne sich bei der sofortigen Rückkehr an die Oberfläche einen runterzuholen.» Äh, Moment. Das war jetzt ein Freudscher Versprecher,...
