Die Logik der Hohlformeln
Kleine Stilblütennachlese aus dem jüngsten Bundestagswahlkampf: «Wachstum braucht Weitblick.» «Die Mitte entlasten.» «Wir bringen neue Energie.» Das mittlere Elaborat stammt – falls jemand Schwierigkeiten mit der Parteiendifferenzierung haben sollte – von der FDP.
Hätten sich Rainer Brüderle und Philipp Rösler im Vorfeld mit der PR-Agentur «Mover und Shaker und Partner» in Verbindung gesetzt, wäre ihnen ihr historisches Wahldesaster mit Sicherheit erspart geblieben.
Denn in dieser Topetage des «Meinungsdesigns» werden die mit Abstand erfolgreichsten Phrasen gedroschen, die das umtriebige Business für «üble Nachrede, Schaumschlägerei und sonstige Spin-Doktoren-Rezepte» landesweit zu bieten hat: Deutschland bewegen. Leben als Wandel begreifen. Oder: Frauen miteinbinden – was ja, gelesen auf der Dirndl-Gate-Folie, für Rainer Brüderle tatsächlich wie geschaffen wäre. Obwohl: Wahrscheinlich hätte die grunddynamische Kreativ- und Strategiedirektorin Sandra Ardnas im Falle des FDP-Debattenaussitzers eher ein konträres Kommunikationsdesignpaket geschnürt. Zum Beispiel: «Darüber müssen wir reden.» Denn: «Authentisch ist vom Tisch.»
Die Erkenntnis, dass es sich hinter dem ...
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Theater heute November 2013
Rubrik: Aufführungen, Seite 24
von Christine Wahl
Als Regisseur verkörperte er die seltene Dreieinigkeit: Schauspiel, Oper und Film, und er war liebend gern auch Schauspieler. Er erlaubte sich – mit angelsächsischer Unbefangenheit und preußischer Disziplin –, einfach Künstler zu sein.
Er begann, noch als Wunderkind, zu inszenieren, mit 15 am Pariser Elite-Gymnasium Louis Le Grand. Mit 22 leitete er ein eigenes...
«In den hübschen villages
mit den gesunden inhabitants
in ihren schönen houses
sind sie alle happy.
Und erst recht am Zürisee,
da herrscht prosperity,
kaum Soldaten on the streets
nur hübsche ladies.»
So unwirklich gesund, schön und happy, wie Woyzeck-Kumpel Andres in Stefan Puchers Büchner-Inszenierung im Zürcher Schiffbau die Stadt bedenglisht, in der sein Schöpfer...
Das ehemalige Kolosseum-Kino in der Nußdorfer Straße ist heute ein Supermarkt. Beinahe wäre ein Theater daraus geworden. Als die Stadt Wien 1976 eine neue Spielstätte für Hans Gratzers Theatergruppe Werkstatt suchte, war das Kolosseum Gratzers Favorit. Die Wahl fiel schließlich auf einen anderen, kleineren Kinosaal: Im damals gerade geschlossenen Heimatkino in der...
