Die Kunst des lebendigen Theaters
Adolphe Appia ist fast vergessen. Sein Auftauchen in den einschlägigen Kompendien der Theatergeschichte wirkt meist wie eine Pflichtübung. Mit Edward Gordon Craig steht er als (spät) romantischer Künstler an der Wiege des modernen Theaters, ohne dabei jedoch allzu viel mit der fleischlichen Zeugung zu tun zu haben. Wie Craig hatte Appia nur wenige Gelegenheiten, als Theaterpraktiker in Aktion zu treten, die eigentliche Revolution fand auf dem Papier statt.
Die Liste der Inszenierungen, in denen Appia als Bühnenbildner oder als Regisseur verantwortlich zeichnete, beläuft sich auf nicht mehr als zehn Arbeiten. Dabei kannte der aus einer theaterfeindlichen calvinistischen Genfer Familie stammende Appia Zeit seines Lebens, von seiner frühen Jugend bis zu seinem Tod im Alter von 65 Jahren, nur eine Leidenschaft: die grundlegende Reform des abendländischen Theaters.
Die Liste der Schüler
Wer ist dieser schüchterne und zurückhaltende Theatermensch gewesen, der seine Ideen zur radikalen Veränderung des Theaters notgedrungen «nur» in zahlreichen Schriften und gezeichneten Entwürfen entwickeln konnte? Hinter den landläufigen Verdächtigungen als präfaschistischer Wagnerianer und abseitiger ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Der Krieg hat seine eigenen Gesetze, und er schreibt Biografien, die nach einem Sieg oder einer Niederlage nicht aufhören: Der Krieg ist nachhaltig. Aber wenn die Waffen schweigen, verstummen meist auch die Menschen, die mitgekämpft haben oder unter den Auseinandersetzungen zu leiden hatten. Die Erinnerung an Wahnsinn und Schrecken jener von «einstürzenden Himmeln»...
Wenn sich ein Mann und eine Frau in einem Hotelzimmer treffen, sind normalerweise sexuelle Motive im Spiel. Das Hotelzimmer ist der klassische Schauplatz von geheimen Affären oder spontanen One-Night-Stands. Der Mann aus Neil LaButes «Some Girl(s)» aber hat anderes im Sinn, wenn er in vier verschiedenen (und doch identisch aussehenden) Hotelzimmern vier Frauen...
Tatsächlich könnte das Missverständnis ja ganz genau so begonnen haben: mit einem deutschen Theaterintendanten auf der Suche nach dem spektakulären Thema von Weltrang, mit dem er das neue Theater eröffnen könnte. Fündig wird er in der weiteren Nachbarschaft: in der Ukraine der «orangenen Revolution», wo doch an der Seite des siegreichen Umsturzführers (Sie erinnern...
