Die Kultur der Kritiker
Was für ein furioses Solo: In extrabreitem Wienerisch donnert Stefanie Reinsperger den Bericht eines somalischen Piraten ins Akademietheater, der sich sein solides Handwerk nach dem Scheitern anderer beruflicher Perspektiven auf einer ordentlichen Piratenakademie u.a. mit einem kleinen Stipendium der Studienstiftung des somalischen Volkes angeeignet hat.
Der sympathische junge Mann, der sich selbst als «schwarzer Neger aus Somalia» vorstellt, hat nicht nur seine Koloniallektionen mit Prädikat verinnerlicht und darf als Prachtexemplar westlichen Kulturexports gelten, er verschmilzt in der zupackenden Reinsperger Performance auch noch gleich mit einem vollgegenderten österreichischen Underdog, was in der Summe einen reichlich tollkühnen europäischen Kulturhirnmix ergibt. Der das Autorenhirn, dem er entspringt, mindestens ebenso unter Verdacht stellt wie die hochkonstruierte Figurenwelt, auf die er sich bezieht.
Was weiß Wolfram Lotz schon über somalische Piraten? Wahrscheinlich nicht mehr als jeder andere, der Zeitung liest oder ein bisschen im Internet recherchiert. Also vermutlich genau die diffuse Wolke an Informationen und Vermutungen, die Sie und ich auch im Kopf haben ...
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Theater heute Jahrbuch 2015
Rubrik: Das Parlament der Kritiker, Seite 148
von Franz Wille
A
Miguel del Arco
Helena – Plädoyer für eine Schlampe
(Theater Biel Solothurn)
Ayad Akhtar
Geächtet (Disgraced)
(Schauspielhaus Hamburg)
Mattias Andersson
Acts of Goodness
(Theater Radebeul Landesbühnen Sachsen)
B
Alexandra Badea
Zersplittert (Schauspielhaus Graz)
Brigitte Buc
Hundswetter (Komödie am Kurfürstendamm)
C
Pamela Carter
Was wir wissen (Theater...
Geflüchteten Menschen die Bühne zu überlassen, damit sie für sich selbst sprechen können, scheint das probate Mittel zu sein, um als Theater auf die untragbare Situation der Geflüchteten in Europa reagieren zu können. Dass sich diese Haltung weitgehend durchgesetzt hat, rührt auch von der verstärkten Selbstrepräsentation der Geflüchteten her, die in Protestcamps in...
Anfang diesen Jahres, um genau zu sein: am 8. Februar 2015, hatten wir, Nicolas Stemann und ich, uns mit Elfriede Jelinek verabredet. Es war gewissermaßen ein Antrittsbesuch der zwei Neuen in dieser Stadt – Nicolas Stemann wird ab dieser Spielzeit Hausregisseur an den Münchner Kammerspielen. Viel mehr, als sich «Grüß Gott» zu sagen und die künstlerische...
