Die Gehirne stürmen
Wenige Tage vor den Parlamentswahlen Ende Oktober wirkt Kiew weder von einem schwelenden Krieg im Osten noch von einem lautstarken Wahlkampf aufgewühlt. Es gibt natürlich Wahlplakate, und im Fernsehen reihen sich die Werbespots der Parteien. Aber dieser Platz, auf den die ganze Welt schaute und der im Grunde Europa verändert hat, ist leer und aufgeräumt.
Auf dem Maidan gibt es eine Ausstellung mit Fotos vom Krieg im Osten und eine Tafel mit den «Himmlischen Hundert», den Opfern der Scharfschützen, für die dann auch am Rand des Platzes einzeln vor jedem Bild Blumen abgelegt werden können. Es scheint, das Andenken an die «Himmlischen Hundert» gebietet Ruhe und Einhalt, Parteiengezänk ist hier erst mal tabu. Die einzige Lautsprecheransage wirbt für einen touristischen Ausflug zum Luxus-Anwesen von Viktor Janukowytsch, den man direkt ab Maidan buchen kann.
Vor einem Jahr, genauer: am 21. November, begann hier, was als Euro-Maidan bereits in die Geschichte eingegangen ist. Der Dauerprotest endete in Gewalt, war aber mit der Absetzung und Quasi-Vertreibung des Präsidenten erfolgreich. Die schwierige Zeit einer Übergangsregierung nutzten offenbar schon gut vorbereitete Separatisten für ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Dezember 2014
Rubrik: Ausland, Seite 42
von Thomas Irmer
Die Idee von Aktionskünstler Philipp Ruch und seinem «Zentrum für politische Schönheit» war von Anfang an im wahrsten Sinn grenz-wertig. Um auf die unhaltbaren Zustände an Europas Außengrenzen aufmerksam zu machen – wir lassen regelmäßig von Schleppern betrogene Menschen im Mittelmeer ertrinken und bewehren unsere Wohlstandsburg mit Stacheldrahtzäunen und Frontex...
Wie sollen wir uns denn heute die Nibelungen vorstellen, diesen ehrpusseligen Burgunder-, beziehungsweise Germanenhaufen mit seinen altdeutschen Sitten und Problemen? Wer darf als erster durch die Domtür? Was bedeuten Männerehre und Treue bis in den Tod? Was ist ein Wortbruch, und wie geht man damit um? Auf eins ist bei Friedrich Hebbel wie Richard Wagner Verlass:...
Daraus hätte was werden können: Zwei ökonomische Global Player, die Volksrepublik China und der Volkswagenkonzern, haben eine gemeinsame Geschichte, und diese Geschichte wird in Szene gesetzt von einem künstlerischen Global Player, Stefan Kaegi, einem der klugen Köpfe des international gefeierten Dokumentaristen-Kollektivs Rimini Protokoll.
Kaegi ist nach China...
