Die Farbe Braun
Zur Zeit werden mehrere Theateraufführungen über die Opfer und Taten der faschistischen Gewaltzelle vorbereitet, die sich selbst den Namen «NSU» (Nationalsozialistischer Untergrund) gegeben hat. Münchens Residenztheater und Karlsruhe arbeiten dran, Frankfurt hat mit «Der weiße Wolf» den Anfang gemacht. Während sonst Projekte geplant sind, die sich dem Thema recherchierend nähern, hat Lothar Kittstein ein Drama geschrieben, in dem eine Frau und zwei Männer im ostdeutschen Untergrund leben und so sprechen, als wären sie Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt.
Kittstein nähert sich seinem Trio ganz direkt mit psychologischer Einfühlung in siebzehn Szenen. Zschäpe heißt hier Janine, sie bekommt ein – wirkliches oder eingebildetes, jedenfalls zum deutschen Heiland hochstilisiertes – Kind: «Wem gehört deine Fotze?» –«Dir.» – «Nein, dem deutschen Volk!» Zusammen mit Uwe 1, der hier Gräck heißt und als Türsteher einer geregelten Tätigkeit nachgeht, versucht sie in einer windigen Bude ein Familienleben. Uwe 2, der nach längerer Zeit bei den beiden vorbei schaut und hier Tosch heißt, ist der streunende Hund und harte Ideologe, der den Idylleversuch durcheinanderbringt.
Jeder hat in dem ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute März 2014
Rubrik: Chronik: Frankfurt Schauspiel, Seite 57
von Peter Michalzik
Nein, «Pommerat» ist keine Champagnermarke. Es klingt nur so. Joël Pommerat kommt auch nicht aus Reims, sondern aus Roanne am Zentralmassiv, wo er 1963 geboren wurde. Sec und gelegentlich extra brut sind seine Stücke, und seit einer Weile ist Pommerat auch so was wie eine Marke im hexagonalen Theaterbetrieb. Seine Theatertexte und Inszenierungen zeigen sich...
Hätte Suhrkamp in den vergangenen 30 Jahren mehr Titel wie Isabel Allendes Debütroman «Das Geisterhaus» (1982) verlegt, wäre der Verlag heute wahrscheinlich nicht in der Krise. Der autobiografisch unterfütterte Familienroman war ein Weltbestseller. Erzählt wird die Geschichte Chiles von den 1920er Jahren bis zum Militärputsch 1973 durch General Pinochet; mit dem...
«Tja, das war der Drache.» Noch bevor der Vorhang sich öffnet, resümiert Hebbel persönlich (Wolfgang Rüter) die ruhmreichen Taten seines Helden. Des Dichters lässige Vorrede ist amüsant und befremdlich zugleich: Mit seinen Zwergenkämpfen und Drachenblutbädern wirkt der Nibelungenstoff nicht heroisch, sondern altbacken und unfreiwillig komisch. Vielleicht ist er im...
