Des Kaisers Kleider

Zum Tod der Kostümbildnerin Moidele Bickel

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Sie kleiden Kaiser und Clowns, Huren und Hausfrauen, Professoren und Proleten, Kinder und Greise. Im besten, im perfekten Falle so, dass wir nichts zu sehen glauben. Es ist wie mit der Filmmusik: Sie fällt nur auf, wenn sie nicht gefällt. Einige dicke Bücher über die Schaubühne habe ich noch einmal studiert, um mir die Arbeit von Moidele Bickel, die am Pfingstmontag in Berlin starb, in Text und Bild wieder zu vergegenwärtigen. In den Stablisten ist sie namentlich aufgeführt, wie es sich gehört.

In den Kritiken aber, die in diesen Rückblickbänden ausführlich zitiert werden, um die Arbeit aller Beteiligten zu würdigen, steht so gut wie nichts über sie, die doch mit prägend war für das, was in den siebziger und frühen achtziger Jahren an der Berliner Vorzeigebühne Maßstabsetzendes passierte. Die Fotos hingegen zeigen so viel Prächtiges, so viel Schönes, ja: visuell Kluges, genau Gedachtes und Gearbeitetes bei den Kostümen, dass es keine Entschuldigung gibt für das Schweigen der Schreiber – wie etwa jene gern genommene, dass Kostümbildner doch nur bessere Einkaufsbegleiter seien. Nein, an der Schaubühne wurde gerade auch im Bereich des Kostümbilds über mehr als ein Jahrzehnt hin so ...

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Theater heute Juli 2016
Rubrik: Nachruf, Seite 20
von Michael Merschmeier

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