«Du hast gerufen, geliebter Führer!»
Die guten alten Zeiten sind wieder da: Ungarische Tageszeitungen und Magazine entrüsten sich über Performances mit politischen Inhalten und fordern dazu auf, den künstlerischen Direktor zu entlassen oder die Aufführung abzusetzen; oder sie diskreditieren mindestens den Künstler persönlich.
Als Thomas Ostermeier (im Rahmen des MITEM Festivals) seine Lausanner Inszenierung von Tschechows «Möwe» am Budapester Nationaltheater zeigte, fügte er in einer improvisierten Szene einige Anspielungen auf die Abschottung der ungarischen Grenze ein, auf die ungarische Flüchtlingspolitik und auf Viktor Orbán. Die Geschichte eines syrischen Arztes war schon in Lausanne Teil der Inszenierung, aber die ungarischen Bezüge wurden speziell für dieses Gastspiel in Budapest erfunden. Die konservative Tageszeitung «Magyar Idók» bezeichnete die Aufführung als «liberalen Agitprop» und outete Attila Vidnyánszky als Schuldigen: Die Fidesz-Partei habe ihn nicht zum Intendanten berufen, damit er solche Dinge zuließe.
Puccini und Trash
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Theater heute Juli 2016
Rubrik: Ausland, Seite 36
von Andrea Tompa
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