«Des is jo Literatur»

Der junge Regisseur und Marionettenspieler Nikolaus Habjan zeigt, wie dramatisch Klappmaulpuppen sterben können – und wie aberwitzig Sex mit ihnen sein kann. Ein Porträt des österreichischen Shootingstars

Theater heute - Logo

 Über zu wenig Publikum konnte sich der Grazer Puppenspieler Nikolaus Habjan schon als Kind nicht beschweren. Wenn seine Eltern Besuch bekamen, mussten die Gäste im Laufe des Abends auch ins Kinderzimmer schauen. Dort wartete der kleine Nikolaus schon mit einem perfekten Bühnenbild. «Der Luftbefeuchter war die Nebelmaschine, die Schreibtischlampe die Beleuchtung», erinnert sich der Regie-Frühzünder.

Bereits im Alter von fünf wünschte sich Habjan nach einem Besuch im Salzburger Marionettentheater zu jedem feierlichen Anlass nur eines: Puppen, bis er die komplette Besetzung von Mozarts Oper «Die Zauberflöte» zusammen hatte. Eltern und Großeltern mussten also regelmäßig Ausflüge nach Prag unternehmen, wo die Technik des Marionettenbaus hochgehalten wird, um die Wünsche des kleinen Intendanten zu befriedigen. «Unter einer Stunde ist keiner aus dem Kinderzimmer wieder herausgekommen», scherzt Habjan heute.

Die frühe Beharrlichkeit hat sich gelohnt. Das Burgtheater reißt sich um den 28-Jährigen ebenso wie das Wiener Volkstheater, wo er ab dieser Spielzeit zu einem zentralen Mitspieler in Anna Badoras neuem Team wurde. Der junge Mann kann nämlich nicht nur umwerfend schräge Puppen basteln ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Januar 2016
Rubrik: Akteure, Seite 36
von Karin Cerny

Weitere Beiträge
Auf die Palme

Der Prinz hat, nachdem er die Arme zu einer imaginären Umarmung geschlossen hat, seinen Hitz- und Kindskopf in den Sand gesteckt. Dorthin, wo aus einem Erdhaufen der eherne Arm einer gestürzten Siegesgöttin mit Lorbeerkranz hervorragt. Er ist fix und fertig – und wir mit ihm, kaum dass es für die nächsten dreieinhalb Stunden begonnen hat. Da kann Torsten Flassig...

Debatte

Der Nutzen der Kunst besteht in ihrer Nutzlosigkeit: Mit diesem Paradox wollte Adorno die Kunst vor ihrer Vereinnahmung retten – sei es durch die soge­nannte Kulturindustrie, sei es durch propagandis­tisch gestimmte 68er, die jene mit Kunst bekämpfen wollten. Heute, fast ein halbes Jahrhundert später, scheint seine Überzeugung so wenig verbreitet, wie sie es zur...

Immer lächeln

Wer als Kind mal ein Filmstudio besichtigt hat, erinnert sich an das große Staunen vor dem ersten Blue- oder Greenscreen: Der Wettermann, wahlweise King Kong, steht nicht etwa vor der Wetterkarte oder in New York, sondern schlicht vor einer monochromen Wand – der Rest ist Technik. Der Regisseur Amir Reza Koohestani holt diesen nicht ganz taufrischen Wow-Effekt nun...