Der Weg zum Kuratorenglück

Wer im Glashaus sitzt, soll nicht mit Steinen werfen. Andererseits scheppert es dann besonders schön. Aber warum nicht sich selbst in Frage stellen? Milo Rau hat mit «Was tun» eine «Kritik der Postmodernen Vernunft» geschrieben. Ein Auszug

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Jede noch so verschmockte Theaterperformance muss »interaktiv« sein, muss ihre Zuschauer zu Akteuren machen, muss die Bedingungen ihrer Produktion und ihren Realitätsstatus reflektieren. Überhaupt wird im Theater – die analogste und deshalb gemäß der paradoxen postmodernen Vernunft zugleich konservativste und politischste Kunstform – wenig dem Zufall überlassen.

Nirgendwo, geneigte Leserin, verehrter Leser, ist das Doppeldenk des Spätkapitalismus stählerner als in den darstellenden Künsten! Man braucht nur ein durchschnittliches Spielzeitprogramm eines durchschnittlichen Stadttheaters oder freien Theaters zu lesen, um zu verzweifeln angesichts der dort verquirlten Mischung aus Traditionspflege und Feierabendrevolte, dieser hysterischen Bestätigung des Bestehenden. Wie bei einer Dogmatik üblich, ist die Zahl der möglichen Argumente beschränkt, für die Künstler selbst jedoch Anlass ewiger Debatten. Vom dekonstruierten Klas­siker zum Dokumentarstück, vom Live-Computerspiel zum Stadtraumprojekt sind die für einen außenstehenden Beobachter irrelevanten ideologischen Unterschiede etwa so hart umkämpft wie die Abendmahlskonzeption innerhalb des spätrömischen Christentums.

Da aber die ...

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Theater heute November 2013
Rubrik: Foyer, Seite 1
von Milo Rau, Buchauszug: Was tun. eine Kritik der Postmodernen Vernunft

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