Der Revisor

Unregelmäßigkeiten in der Buchhaltung, ein drohendes Millionendefizit und ein Direktor, der sich in den Künstler-Elfenbeinturm zurückzieht: Das Burgtheater inszeniert sich gerade selbst als bitterböse Komödie

Theater heute - Logo

Das hätte Matthias Hartmann wohl nicht gedacht, dass ihm ausgerechnet bei einer seiner eigenen Inszenierungen das Lachen vergeht. Eigentlich eine sichere Pointe, wenn in Tschechows «Onkel Wanja» jener Revisor angekündigt wird, der in Gogols Komödie für Angst und Schrecken und vor allem für jede Menge Peinlichkeit sorgt. Schauspielerin Caroline Peters meinte jüngst in einem Interview, an dieser Stelle sei es jetzt totenstill.

Kein Wunder: Im Burgtheater wird gerade tatsächlich «forensisch» ermittelt, die Wirtschaftsprüfer der Firma KPMG nehmen die Bilanzen des Theaters unter die Lupe.

In den letzten Monaten wirkte es bisweilen, als sei das Burgtheater Schauplatz eines abstrusen Krimis: Jeden Tag tauchten in den Medien neue Spekulationen auf, seitdem bekannt wurde, dass Matthias Hartmann bereits Ende November letzten Jahres seiner Vizedirektorin gekündigt hatte. In der Buchhaltung von Silvia Stantejsky, zwischen 2008 und 2013 kaufmännische Direktorin, ab 1. September des Vorjahres dann zur Vizedirektorin ernannt, hätten sich «Unregelmäßigkeiten» gefunden, diese wurden im Zuge einer Gebarungsprüfung von einer externen Firma festgestellt. Das Ensemble des Burgtheaters solidarisierte ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute März 2014
Rubrik: Magazin: Finanzkrise, Seite 67
von Karin Cerny

Weitere Beiträge
Die Farbe Braun

Zur Zeit werden mehrere Theateraufführungen über die Opfer und Taten der faschistischen Gewaltzelle vorbereitet, die sich selbst den Namen «NSU» (Nationalsozialistischer Untergrund) gegeben hat. Münchens Residenztheater und Karlsruhe arbeiten dran, Frankfurt hat mit «Der weiße Wolf» den Anfang gemacht. Während sonst Projekte geplant sind, die sich dem Thema...

Außer Atem

Es läuft rund. Ein klaffender Trichter, von einem Gerüst mit Podien, Treppen, Rampen gestützt, dreht sich auf der Bühne wie ein Hamsterrad. Oder ein Roulette, das es assoziiert, denn wir sind in Roulettenburg, Dostojewskis fiktiver deutscher Stadt, montiert aus Wiesbaden, Bad Homburg und Baden-Baden.

Geld um jeden Preis: Spielen wird zur Metapher des ökonomischen...

Heillose Individualisten

Anton Tschechows «Onkel Wanja» und «Der Kirschgarten» erzählen bekanntlich von Idyllen, die keine mehr sind. Hoffnungen zerplatzen, aus Landgütern werden Grundstücke für Datschen. Von den kritischen Spitzen auf feudale Müßiggänger, aufkommenden Kapitalismus und die rücksichtslose Industriegesellschaft zum Ende des 19. Jahrhunderts ist in Christopher Durangs...