Der menschliche Verschleiß
Alles Große am neuen, zweiten Band der nachlässig dahingeplapperten autobiografischen Lebenssaga des Peter Zadek, mit dem wir den achtzigsten Geburtstag im Mai begehen werden, ist eigentlich völlig unerträglich. Das dürfte einem Künstler von Zadeks Format gefallen, schon weil es seinen gottgleichen Status festigt. Die Götter haben ihre Menschenkinder immer bestraft und belohnt zugleich, in einer wüsten, völlig undurchschaubaren und unberechenbaren Mischung aus Liebe und Hass.
Sie waren nie jenseits von Gut und Böse, sie waren gut und böse in besonders wüster, archaischer und gewalttätiger Ausfertigung. So auch der Herr Z. mit seiner zu großer Kunst gesteigerten Verantwortungslosigkeit und seiner Strategie der zum Genialischen geheiligten Verwahrlosung. Alles höchst zeitgebunden: Ohne es wirklich zu wollen, liefert das Buch fantastisches Material für die Entmystifizierung der westdeutschen siebziger Jahre, neben der Deutsche-als-Kriegsopfer-Debatte eines unserer aktuellen Modeprojekte. Aber auch ein wenig Re-Mystifizierung bietet sich an.
Es nervt der Aufmarsch der Weggefährten, denen in namentlich gekennzeichneten Absätzen je ein braves Anstandswauwau nachgebellt werden muss und zu ...
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Camouflage. Na, Liebchen, «Die Position der Kritik», das jetzt von «Theater heute» war doch immer auch Dein Problem, wenn Du mitgefahren bist, und gereist bist Du ja für Dein Leben gern, war Deine Frage nach wieder mal einem Abend in so einem Theaterhaus, irgendwo zwischen Hamburg und Wien, Berlin und Oldenburg (doch, Lob den Provinzen, in den Radfahrerstädten...
Der Originaltitel lautet «Scenes from the Big Picture», und das trifft das Stück-Werk des irischen Dramatikers Owen McCafferty weitaus besser als der deutsche Übersetzungsversuch mit «Ein Tag im Leben des Frank Coin». Der soll so etwas wie eine «runde Sache» versprechen, immerhin einen Anfang und einen Ausklang in einem freilich endlosen Kreislauf; die...
Einmal sitzt Ada vorne auf dem Boden, dort kauert sie meistens, und murmelt wieder und wieder ihr Mantra: «Ich bin jetzt!» Eine vergebliche Beschwörung von Gegenwart. Die ist den Jugendlichen in Juli Zehs Roman «Spieltrieb» restlos abhanden gekommen. Sich wenigstens in Restbeständen spüren, das können sie nicht. Nach dem Verlust von Bindung, Werten, Zukunft ist...
